Und wieder sitzen wir im Bus – wieder zurueck nach Vientiane, zurueck in die Zivilisation nach drei Tagen Zeitreise ins Mittelalter. In dem Dorf, in dem wir den Homestay gemacht haben, kam ich mir irgendwie vor wie in einem Freilichtmuseum: keine Strassen, sandige Wege unter den Stelzenhaeusern Ziegen, Gaense, Huener, Hunde, Kuehe, Kinder, Menschen, die mit “Maschienen”arbeiteten (ein Holzpflock an einer Art Wippe zum Korn mahlen z.B.). Dann war da noch ein Webstuhl wie eben aus laengst vergangenen Zeiten, an dem wir ein wenig stehen blieben, da zwei andere Deutsche, die ebenfalls einen Homestay in dem Dorf machten, gerne ein Tuch kaufen wollten. Das erwies sich aber als nicht so einfach. Wir standen vor der Huette mit dem Webstuhl, offensichtlich, gab es was zu kaufen, da noch andere Kleinigkeiten, wie Getraenke und Suessigkeiten auslagen, unter anderem auch ein paar Stoffe, die sich die beiden anschauten und die “Verkaeuferin” fragend ansahen. Diese setzte sich aber daraufhin an den Webstuhl und fing an zu weben. Wir standen herum, die beiden deuteten wieder auf die Stoffe, sie lachte, wir lachten, weiter weben.

webstuhl

Diese Situation ist so typisch fuer dieses Land und gleichermassen ungewohnt wie sympathisch. Du kannst in ein Geschaeft oder in ein Restaurant gehen, es wird jedoch nicht davon ausgegangen, das du jetzt unbedingt was kaufen moechtest. Es wird gegruesst, gelacht, aber wenn du nicht aktiv sagst, was du willst, dann kannst du da auch einfach sitzen, vielleicht denken sie, du willst einfach nur mit ihnen fernsehen oder dich ausruhen…. von Geschaeftstuechtigkeit keine Spur.

Aehnliche Situation in der Touristeninfo in Nahin, wo wir unsere Tour gebucht haben: Wir kommen rein, sagen: We would like to book a tour. Reaktion: Schauen und nix. Dann Geplauder: From where are you und spaetestens bei unseren Namen, Andrea ging ja noch, aber Wolfgang: schallendes Gelaechter, so das wir uns erst mal gemeinsam kaputt gelacht haben…. Situationskomik. Dann noch mal der Versuch: Cave? Homestay? – Ah jes! Aber wo, was, wie teuer?? Langsam step by step, alles aus der Nase ziehend naeherten wir uns der Sache und wussten definitiv, das es morgen um 10 Uhr los geht, alles andere ist doch unrelevant… wird schon passen. Und auf unglaubliche Art und Weise hat dann auch alles geklappt. Der lustige Jay aus der Touristeninfo begleitete uns.

Man merkt einfach, das sich dieses Land erst seit ca.15 Jahren der Welt geoeffnet hat, Tourismus erst seit kurzem ins Land kommt. Dienstleistung, wie wir es gewohnt sind, man kommt ins Touristenbuero und direkt wird einem die ganze Palette der Moeglichkeiten dargeboten, Variation A, B und C, ja bitte gerne danke, selbstverstaendlich machen wir das moeglich, und wir koennen ihnen noch Zusatzpaket D anbieten, diese Sprache des Verkaufens war in Zeiten der Planwirtschaft nicht noetig, zu lernen.

Die beiden Deutschen haben uebrigens ihr Tuch noch bekommen. Sie sind in Begleitung von Jay, unserem Guide, noch mal zu der Frau mit dem Webstuhl zurueck, und natuerlich hat sie auch was verkauft. Ein Tuch hat umgerechnet 5 Euro gekostet, bestimmt hat sie mehr als eine Woche dran gearbeitet…

Die Tour war ein echt tolles Erlebnis: wunderschoene Natur. Beim Homestay waren wir erst ein wenig enttaeuscht, da wir eine eigene Huette hatten und nicht direkt wie erwartet mit der Familie zusammen gewohnt haben. Zum Abendessen gab es dann offensichtlich ganz frisch geschlachtete Ente (die Indizien fuer die Frische lagen neben der Huette: die Federn und der Kopf), die kleingehackt und gekocht wurde. Ich war fuer diesen Abend Vegetarierin. Wolfgang biss wie die anderen Familienmitglieder auf Knorpel und Knochen herum, liess aber das Aussaugen des Knochenmarks weg. Da er Hunde so liebt, gab er dem Haushund gerne einen Teil der Mahlzeit ab. Dann gabs wieder eine Runde Beerlao und die Gespraeche gingen mit Haenden und Fuessen darum, wieviel Bier jeder schon getrunken hat und wie betrunken man war und andere lustige Themen… wenig verstehen viel lachen…. das uebliche halt.

huettetabak

Dann noch einen kurzen Marsch durchs Tabakfeld zu unserer Holzhuette und zufriedenes Einschlafen mit den Stimmen der Natur: naechtliches Froschkonzert, irgendwo heulende Hunde, spaeter, bzw. in der Frueh dann Haehne und Gibbons (eine Affenart aus den Bergen, haben wir erst spaeter erfahren, das es welche waren). Nur ein tierischer Kollege war ganz ruhig: die fast handtellergrosse Spinne, die mich morgens von neben unserem Bett aus (zum Glueck mit Moskitonetz) begruesste…

geschrieben von Andrea

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