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Das goldene Dreieck: Schierke – Elend – Sorge

Als ich Freunden erzählte: Wir fahren am Wochenende nach Schierke – das St. Moritz des Nordens, entgegnete mir Gelächter: Schierke? Wohl eher am A… der Welt irgendwo um die Ecke von Elend und Sorge.

Aber nach meiner Recherche war Schierke tatsächlich mal ein mondäner Ort mit bester Infrastruktur für Wintersport. Alle, die was auf sich hielten, machten dort Urlaub. Diese Zeiten sind allerdings lange vorbei, liegen über hundert Jahre zurück. Und die DDR mit der direkt vor Schierkes Toren verlaufenden Grenze hat wahrscheinlich sein übriges getan. Wir wollten einfach nach einer Woche nebeligem grau in grau das angekündigte sonnige Herbstwetter im Harz nutzen. So suchte ich nach einer günstigen, hundefreundlichen Unterkunft mit Frühstück. In Schierke bin ich fündig geworden.

 Grandhotel Hotel Fürst zu Stolberg
Das ehemaliges Grandhotel Hotel Fürst zu Stolberg, ab 1946 Hotel-Heinrich-Heine ist nicht mehr bewohnbar.

Aufgrund der Lage von Schierke kamen wir wohl auch um eine Besteigung des Brockens nicht vorbei. Dieser Berg hat Schierke in früheren Zeiten zu „Weltruhm“ geführt. Um die Jahrhundertwende war es ein großes Ereignis für die Schönen und Reichen mit der berühmten Schmalspurbahn auf den höchsten Berg Norddeutschlands zu fahren. Das kann man heute immer noch machen, was für uns natürlich nicht in Frage kommt. Ein Berg muss zu Fuß bezwungen werden!

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IMG_3525Wir machten uns über die ehemalige Bobbahn durch den Wald auf den Weg. Es war herrlich: Natur, Ruhe und Bobby im Freilauf. Alle anderen fahren bestimmt mit der Bahn, dachten wir und freuten uns auf eine entspannte Wanderung.

Nach etwa einer halben Stunde kamen wir zu einer Weggabelung und vorbei war es mit der Ruhe. Wir waren nun auf den Hauptweg gestoßen und anscheinend fuhren an diesem Tag doch nicht alle mit der Bahn hoch. Eine kleine Völkerwanderung befand sich auf dem Weg zum Gipfel.IMG_3537Oben angekommen erwartete uns noch mehr Trubel und ein reger Bahnbetrieb durch ankommende und abfahrende Bahnen. Überall wuselt es auf dem platten Gipfel zwischen der Wetterwarte und Sendeturm und sonstigen technischen Anlagen. Ein Gipfelkreuz sucht man vergebens. Durch Sturm und eisigen Wind, ja der Brocken hat tatsächlich hochalpines Klima, umrundeten wir den Gipfel und es eröffneten sich uns beeindruckende Ausblicke.

Schmalspurbahn
Der Brocken

Nach dem Abstieg gönnten wir uns erst mal einen Schierker Feuerstein. Dieser Kräuterlikör ist für Schierke so etwas wie Champagner für St. Moritz. Die Stimmung in dem Lokal war auch wegen der dort stattfindenden Halloweenparty ausgelassen und wir kamen mit den Leuten an unserem Tisch ins Gespräch. Es waren alteingesessene Schierker, unter anderem eine ehemaligen Eishockeygröße. Wir erfuhren, dass Schierke in seinem Natur-Eishockeystadion sogar mal die Deutsche Meisterschaft ausgetragen hat. Und uns wurde mit Wehmut von dem letzten internationalen Bobrennen erzählt – 1959 – bevor das ganze Waldgebiet um Schierke nach Errichtung des Grenzzaunes zu Sperrgebiet wurde. Schierke hat sich als spannendes Örtchen entpuppt – St. Moritz kenne ich noch nicht 😉

Schierke
das ehemalige Natur-Eisstadion
Schierke
Schierke - Brocken
Anwolf – Unterwegs auf dem Brocken
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