Mirabellgarten SalzburgLetzte Woche waren wir mal wieder in Salzburg. Fast fünf Jahre war Salzburg mein zu Hause. Auf den ersten Blick zum Verlieben: die Kulisse mit mächtiger Festung, Kirchenkuppeln, italienisch-barocke Baukunst, verwinkelte Gassen, die Stadtberge und im Hintergrund der Untersberg und natürlich die Alpengipfel. Wenn Familie oder Freunde mich in Salzburg besucht haben, wusste ich gar nicht, wo ich anfangen sollte mit dem Sightseeing-Programm: Ein Spaziergang zur Festung, über den Mönchsberg mit tollen Ausblicken auf die Stadt und die Alpen, um dann im Müllner Bräustübel, einer traditionellem Klosterbrauerei mit großen Gewölbesälen und riesigem Biergarten, einzukehren und das leckere Augustinerbier zu trinken; Ausflüge ins Salzkammergut, mein Lieblingsgipfel: das Zwölferhorn oder zum Altausseer See, ein wunderschöner Alpensee in lieblicher Landschaft; Wandern, Skifahren und Einkehren in Hütten mit immer leckerem Essen.

Wolfgangsee
Gondel zum Zwölferhorn mit Wolfgangsee
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Gipfel Zwöferhorn
Altausseer See

Und dann sind da die Salzburger, die sich dieser ganzen Schönheit sehr bewusst sind und sehr stolz darauf sind. Und sie möchten diese ganze Pracht nur vorübergehend auch mit anderen Menschen (nicht Salzburgern) teilen. Zu diesen Anderen, bzw. „Fremden“ gehören an erster Stelle die Massen an Touristen die echt nerven aber zum Glück ja nur immer kurz da sind. Dann gibt es aber noch sehr viele, die nach Salzburg kommen, um zu bleiben und das sind vor allem Deutsche. Die flüchten alle aus dem schrecklichen Deutschland, dass zu 98 % aus Ruhrpott und riesigen Industriegebieten, platten Land und unfreundlichen Menschen besteht und kommen ins herrliche Salzburg.  Dort tun sie dann so, als gehöre ihnen das ganze Land, sie passen sich nicht an, sprechen komisches Hochdeutsch und nennen den Krapfen Berliner oder Pfannkuchen: Menschen ohne Kultur! Und daran wird man auch mit verlässlicher Regelmäßigkeit erinnert. Eine Szene im Biergarten: „Kannst du mir mal den Pfefferstreuer herüberreichen?“ Erwischt: „Ha, bist a Deitsche?  Wo kommst denn her?“ „Aus Salzburg!“ (ist ja nun seit Jahren mein Wohnsitz gewesen) „Was?  A Blädsinn, wo kommst denn wirklich her?“ So, und jetzt musste ich überlegen: Ja wo komme ich denn her? „Aus Bayern!“, (da bin ich geboren und habe einen Großteil meiner Kindheit verbracht). „Naa, des kann net sein, du sprichst wie a Piefke“ (alle Deutschen, außer die Bayern). „Äh, ja gut, ich habe auch lange Zeit in Norddeutschland, Nähe Hannover gelebt“. Wider erwischt!! Und das war der Startschuss: jetzt flogen die Sprüche über die Piefke und Witze über die Deutschen über den Tisch, jeder hatte noch ein Erlebnis mit einem Deutschen auf Lager: über die Ignoranz, die österreichische Sprache zu erlernen oder auch wie sie mit dem Versuch österreichisch zu sprechen, sich selbst lächerlich machen oder ihre österreichischen Mitmenschen veräppeln wollen. Häh, wie jetzt, von wem sprechen die??  Von mir?? Alle Klischees werden ausgepackt und zelebriert. Wenn man darüber nicht schallend mitlachen kann, gilt das als Bestätigung des humorlosen und verkniffenen Deutschen…

Am besten schnell ablenken: Bestimmt sitzt da am Tisch noch ein Nicht-Salzburger, vielleicht einer aus der Steiermark?! Ja genau, die versteht ja auch keiner, und die Wiener erst… „was du kommst aus Wien??“ Die sagen zur „Halben“ „Krügerl“  (beides ist ein halber Liter Bier) … und Wien ist eine stinkende Großstadt und die haben da gar keine Berge… Schon ist eine neue Zielscheibe gefunden, um sich seine Klischees gegenseitig lauthals zu bestätigen und ich kann mich wieder meinem Essen zuwenden.

IMG_4070SV300019Natürlich haben die Salzburger recht, dass Salzburg sehr, sehr schön ist und auch immer ein perfektes Fotomotiv bietet, dass zum Schwärmen anregt. Nicht umsonst drängeln sich die Reisegruppen durch die Stadt, auf den Spuren von Mozart (der übrigens in früher Jugend nach Wien geflüchtet ist, da die Salzburger ihn viel zu modern fanden), der Trapp – Familie aus „Sound of Music“ oder den Salzburger Nockerln … Ja Salzburg ist etwas besonderes, aber auch besonders teuer, besonders eingebildet, besonders dörflich und immer skeptisch gegenüber „dem Fremden“ aber auch irgendwie besonders international. Und ein ganz besonderer Mensch kommt natürlich auch aus dieser Stadt, mit dem ich jetzt schon 10 Jahre meines Lebens verbringe. Ich komme immer wieder gerne, aber keine Angst, liebe Salzburger, ich will nicht mehr bleiben!

Salzburg Juni 2008 035

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