Nachdem ich in letzer Zeit im Netz immer wieder über eine Weltkarte mit markierten Ländern gestolpert bin, wollte ich es nun auch wissen und habe den Test gemacht. Wo stehe ich im Ranking der Weltentdecker? I have explored 7,84 % of the world! Ist 7,84 % der Welt viel? Ist das wenig? Muss ich nachlegen oder darf ich mich bequem zurücklehnen, nach dem Motto: reicht erst mal?! Und was bedeutet überhaupt „explored“? Hat jemand der aller Länder bereist hat, tatsächlich 100 % der Welt erkundet? Hat derjenige alle Antworten auf die Rätsel dieser Welt gefunden? Alle Geheimnisse gelüftet? Man wird es wahrscheinlich nicht herausfinden, ich denke es gibt niemanden, der schon überall war. Oder doch?

Anwolf - Unterwegs auf dem Löwepfad
Durch welche Brille sehen wir die Welt?

Oder kann es sogar so sein, dass man in nur einem einzigen Prozent die ganze Welt entdecken kann? Wenn ich Bobby beobachte, wie er einen einzigen Grashalm untersuchen kann, immer und immer wieder rundherum schnüffeln, verharren und nachwirken lassen, dann die Nase in den Wind recken, um sich danach wieder mit aller Hingabe den Gerüchen und der Aura dieses einen Halmes zu widmen, dann bin ich mir sicher: Für ihn steckt in diesem Grashalm die ganze Welt, wenn nicht sogar das ganze Universum.

Reichen 2 qm um die Welt zu verstehen?

Wie viel muss man gesehen haben, erkundet haben, um ein wenig von der Welt zu verstehen? Andreas Altmann, einer meiner Lieblings – „Reisebuchautoren“, der mich immer wieder inspiriert, schreibt im Vorwort seines Buches Sucht nach Leben über Simeon Stylitis der etwa 400 n. Chr lebte und jahrelang auf einer einzigen Säule lebte und Briefe und Reden über das Leben schrieb. Er erfand die Kolumne – von lateinisch columna (Säule). Ihm reichten 2 qm um klug über das Leben und die Welt zu berichten.

Ich denke, diese Offenheit im scheinbaren Nichtstun ist die große Kunst, die wahrscheinlich nur sehr weisen Menschen,  Heiligen und natürlich unserem Bobby vorbehalten bleibt. Ich brauche die Bewegung, den Wechsel, die Reise, das unterwegs sein, um auch meine Gedanken in Bewegung zu halten. Ich hatte schon immer die Gewissheit, dass meine kleine Wirklichkeit, aus der heraus ich die Welt betrachte nicht die Wahrheit sein kann. Meine Ansichten und Meinungen sind geprägt von meinem familiären, kulturellen und sozialen Hintergrund und von ganz viel Gewohnheit. Wenn man sich da nicht herausbewegt, läuft man Gefahr zu glauben, dass die Welt genau so immer und überall funktioniert.

Anwolf - Unterwegs bei der Stecklenburg
Manche Wege scheinen unüberwindbar

Aus meinem  kleinen Universum heraus ist meine Wahrheit subjektiv. Aus diesem Grund bemühe ich mich, keine vorschnellen Urteile zu fällen über andere Menschen, Kulturen, Religionen, ohne diese wirklich kennengelernt, „entdeckt“ zu haben. Aber trotzdem bin ich nicht meinungslos, nicht urteilslos: Ich hasse Krieg, Umweltverschmutzung, Rassismus und Ungerechtigkeiten. Aber ich hasse ebenso pauschale Verurteilungen vom Sofa aus vor dem Fernseher mit der Tüte Chips in der Hand.  Schon als kleines Kind wurde ich total fuchsig, wenn mir jemand „erklärt“ hat: „Das ist nun mal so“…

Auf der Suche nach Wahrheit

Ich will die echte Wahrheit herausfinden, Widersprüchlichkeiten verstehen und Antworten auf meine Fragen finden jenseits von: „Das ist nun mal so“. Und deswegen bin ich dafür, die Welt zu entdecken! Und deswegen bin ich unterwegs, denn: Reisen ist tödlich für Vorurteile (Mark Twain).

Anwolf - Unterwegs in Braunschweig
Perspektiven wechseln: Wo ist unten – wo ist oben?

Und nun kommt meine erstaunlichste Erkenntnis: Je mehr ich nach Antworten suche, desto mehr Fragen finde ich. Stecken in diesen neuen Fragen die Antworten? Vielleicht sind diese Frage die Antworten? Oder gibt es etwa gar keine Antworten? In manchen Momenten, ganz früh morgens wenn der Tag erwacht und die Sonne ganz zaghaft durch die noch vorhandene Kälte der Nacht blinzelt, und manchmal, wenn ich nach einer anstrengenden Wanderung einfach nur da sitze und in die Welt schaue, der Körper müde, die Seele frei, dann gibt es plötzlich keine Fragen mehr, dann suche ich keine Antworten, dann betrachte ich einfach die Schönheit der Welt. Aus verstörender Widersprüchlichkeit wird faszinierende Vielseitigkeit.

Anwolf - Unterwegs in Braunschweig
Morgendämmerung – der Tag erwacht

Aber ich bin mir sicher, dass es wichtig ist, weiter Fragen zu stellen. Diese Fragen lassen mich auf Entdeckungsreise gehen. Deswegen will ich immer weiter unterwegs sein. Und vielleicht werde ich feststellen, dass es in jedem entdeckten Prozent weitere 100 % zu entdecken gibt. Vielleicht sogar im nächsten Grashalm oder der Blume vor meiner Nase, lasst es uns erkunden!

 

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