Bisher habe ich eine Wanderung durch das Bodetal im Harz, an dessen Seiten die Felsen bis zu 280 m hoch teilweise senkrecht aufsteigen, gemieden. Es ist einfach so schön, dass es gerade an den Wochenenden ziemlich überlaufen ist. Es gibt nur einen einzigen schmalen Weg durch das Tal entlang der Felswände und da kann es dann schon mal eng werden. Letzte Woche habe ich mir spontan einen Tag frei genommen, das Wetter war nach einer langen Durststrecke fantastisch, und nun war die Chance für das Bodetal gekommen, von uns entdeckt zu werden.

Bodetal mit Königsruhe
Bodetal mit Gaststätte Königsruhe

Der Charakter einer Wanderung durch ein tiefes, steiles Tales ist es in der Regel , dass man nur in eine Richtung gehen kann und dann wieder (bestenfalls auf der anderen Seite) zurück. Das wurde mir auch bei einer Tour durch das  Bodetal schon häufiger als Nachteil berichtet. Aber in meinem Wanderführer: „Vergessene Pfade im Harz“, der mich echt begeistert ist tatsächlich eine Rundwanderung beschrieben: toll!

Thale, Goetheweg und Königsruhe

Los ging es in Thale an der Bodetal Therme, wo man übrigens toll entspannen kann mit Blick auf die Felsformationen Rosstrappe und den Hexentanzplatz. Aber heute waren wir zum Wandern da. Entlang der Bode, die hier noch lieblich plätschert, ging es auf dem Goetheweg in Richtung der Gaststätte Königsruhe. Der Biergarten lag in vollem Sonnenschein, so dass wir hier nach 20 Minuten unbedingt schon die erste Rast einlegen mussten. Wenn wir die Köpfe nach oben reckten, sahen wir die Kabinenbahn über uns im Gegenlicht Richtung Hexentanzplatz schweben.

Mystische Wege und tolle Aussichten im Harz

Nach dieser Stärkung ging es auf der rechten Seite oberhalb der Bode immer tiefer hinein in das Tal. Die Jahreszeit Ende April ist perfekt für diese Tour, da die Bäume gerade erst anfingen zu sprießen und den Blick frei ließen auf die beeindruckenden Felsformationen. Auf dem Harzer-Hexen-Stieg, in diesem Teilabschnitt teils in den Fels hinein gehauen, teils auf Stegen erreichten wir die Teufelsbrücke, auf der wir die Bode überquerten. Auf der anderen Seite ging es dann immer weiter im Zickzack-Kurs hinauf, tief unter uns die Bode. Was mich besonders freute, Bobby lief die schmalen Pfade total konzentriert und sicher immer ganz brav hinter mir und passierte ganz entspannt die wenigen anderen Wanderer und sogar den ein oder anderen Hund. Er schien in seinem Element, trittsicher über teilweise spitze Felsen und umgefallenen Baumstämme. Das stimmt mich zuversichtlich für unsere geplante Trekkingtour im August am Meraner Höhenweg!Canyon Bodetalliebliche BodeAnwolf - Unterwegs im Bodetal

Hexen und Teufel – was ist denn da im Harz nur los?

Es geht weiter mal ganz unten an der Bode, dann wieder hoch oben an steilen Felswänden entlang. Wenn man den Rundweg gehen möchte darf man den nicht ausgeschilderten Weg Richtung eines querenden Tales, dem Kästetal nicht verpassen. Hinter einer Schautafel muss man abbiegen. Dann ändert sich die Vegetation, es geht noch höher hinauf durch einen alten Traubeneichenwald Richtung eines Quertals, das Kästental.

Dieses märchenhafte Tal durchwandert, folgt man einem querenden Forstweg Richtung Hexentanzplatz, der nächste mystische Ort, dessen der Harz so viele zu haben scheint. Egal wo man sich im Harz befindet, alles scheint etwas mit Teufelswerk und Hexenzauber zu tun zu haben. Gerade hier im Bodetal fange ich langsam an zu verstehen, was es damit auf sich hat. Der Harz:  auf den ersten Blick eher dunkel und abweisend. Je näher man ihm kommt, desto geheimnisvoller, ja mystischer präsentiert er sich und zieht einen in den Bann: magisch, wie durch Hexenzauber. Die Hexe als Sinnbild von einer starken Person, naturverbunden und mit besonderen Kräften ausgestattet. Nicht gefällig, sondern eigen und stark: dieses Bild passt zum Harz.

 Bodetal
Mystisches Bodetal

Ab und zu hat aber auch der Teufel seine Hand im Spiel… Angekommen am berühmten Hexentanzplatz, hoch oben über dem wilden Tal mit fantastischen Blick bis zum „Blocksberg“, dem Brocken, ein wahrlich sagenhafter Platz und doch folgte zugleich die Ernüchterung. Eine Ansammlung zusammengewürfelter Restaurants und Imbisse um einen gepflasterten Platz herum: der Hexentanzplatz. Wir waren fast noch ein wenig „trunken“ von den Naturerlebnissen unserer fast 16 km langen Tour durch das Bodetal. Und nun standen wir hier etwas verloren an diesem leicht zugigen Ort. Plakate kündigten die nahende Walpurgisnacht am 30. April an: Geier Sturzflug und Co als Bühnenprogramm mit großem Feuerwerk. Hier scheint der Kommerz über Mystik gesiegt zu haben. An den Hexenzauber erinnern ein paar geschnitzte Hexenfiguren und im Restaurant Hotel Hexentanzplatz die Reisigbesen als Dekoration. Rosstrappe mit Brocken

Aber auf der anderen Seite toll für den Fremdenverkehr als Wirtschaftsfaktor im Harz: tausende von Menschen feiern in diesen Tagen die Walpurgisnacht und lassen sich einfach durch gute Stimmung unter freiem Himmel hoch oben, 244 m über dem Alltag auf andere Art verzaubern. Und für Goethe, der auch begeisterter Harzwanderer war ist der Teufel  ja „…ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ So genossen wir unsere Soljanka und das Hasseröder Fürstenbräu mit fantastischer Aussicht bis wir dann zum Sonnenuntergang den steilen Serpentinenweg zurück ins Tal „fielen“.

Anwolf - Unterwegs im Bodetal
Anwolf – Unterwegs im Bodetal

Zum Nachwandern – Rundwanderung durch das Bodetal

Die Tour ist im Wanderführer „Vergessene Pfade im Harz“ von Richard Goedeke beschrieben (Tour 18: Durch Bodetal, Kästental und den Hirschgrund, ca. 12 km).

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