Die Vorfreude steigt von Tag zu Tag. Nur noch etwas mehr als zwei Monate, dann geht es los auf unsere Trekking – Tour mit Hund am Meraner Höhenweg. Ich sauge alles auf, was ich über den Meraner Höhenweg, Südtirol, hochalpine Bergwanderungen, Hüttentouren mit Hund, Ausrüstung für Hund und Mensch finden kann. Viele viele Bilder, Berichte, Posts und Erzählungen schwirren in meinem Kopf herum und inspirieren mich. Aber welche Planungsschritte sind nun tatsächlich erforderlich? Wie muss ich mich und meinen Hund auf diese Tour vorbereiten? Was gehört alles ins Gepäck? Da sollte ich doch bestimmt ein paar gute Tipps auf Lager haben, die ich hier weitergeben kann…

Packliste Mehrtageswanderung Hund

Anwolf - Unterwegs auch mit Hund

Ich reise ja gerne und auch recht viel. Rucksäcke habe ich auch schon öfter gepackt, für kurze Wanderungen und auch für Mehrtagestouren. Den Vogel habe ich wohl im Himalaya abgeschossen. Da habe ich es geschafft für die 14-tägige Trekkingtour im Annapurna Gebiet mit einem sage und schreibe 8 kg – Rucksack auszukommen! Da steckt doch bestimmt ein ausgefeiltes System dahinter, eine strenge Packliste! Aber die Wahrheit ist eine andere: ich bin ziemlich faul und schnell gelangweilt. Es macht einfach keinen Spaß Listen zu schreiben und dann siegt meine Faulheit über die Disziplin. Die 8 kg sind Ergebnis meines Freiheitsbedürfnisses. Ich wollte unbedingt den Rucksack selbst tragen, auf keinen Fall auf einen Träger angewiesen sein oder mich sonstwie von dem Gewicht beeinträchtigt fühlen. So kommt es, dass ich vor einer Reise noch nie einen Haken hinter Dinge gesetzt habe, die schon erledigt sind. Noch nie wusste ich vor der Abreise genau, nachdem alle Haken gesetzt waren: jawohl, ich bin mir sicher, ich habe nichts vergessen, ich bin gut vorbereitet.

Leider vertraue ich mir selbst nicht wirklich, dass dieses scheinbar planlose Vorgehen funktioniert. Und regelmäßig kommt der Zeitpunkt kurz vor der Abreise, wo ich Panik schiebe und alle verrückt mache. Bestimmt fehlt etwas ganz wichtiges und oh je, irgendwie habe ich noch gar keinen Plan und wo reise ich überhaupt hin? Und aus all diesen Gründen, habe ich mir auch für diese Reise vorgenommen, alles gut zu planen. Und natürlich wollte ich auch darüber schreiben, so dass andere etwas davon mitnehmen können. Und ja, auch ich möchte eine Packliste auf meinem Blog haben! So schrieb ich schon zig Mal das Wort PACKLISTE in das Entwurfsformular eines neuen Artikels. Noch steht das Wort einsam und alleine da…

Reisevorbereitung – chaotisch und aus der Spur?

Round Annapurna
Annapurna Nepal

Ich gehe noch mal einen Schritt zurück. Vielleicht finde ich ja dort ein paar Erfahrungen, die ich mitteilen kann. Wie entscheide ich mich überhaupt, wo ich hinreise? Wie finde ich meine Reiseziele? Aber auch hier kein Plan: es passiert! Oft reicht ein Foto, das mich begeistert. So war es z.B. mit dem Himalaya. Als ich die Dias meines Bruders von seiner Trekking Tour 1988 sah, da stand für mich fest: Das will ich auch sehen, da muss ich hin. Gut, es hat 20 Jahre gedauert, aber 2009 war ich dann da. Und ich hatte keine Ahnung, was mich erwartete. Ich war euphorisch und dann bin ich grandios an der Höhe gescheitert. Aber die Erlebnisse, Bilder und Erinnerungen sind unvergesslich. Manchmal sind es auch Erzählungen oder einzelne Worte, die mich neugierig machen; „Dolomiten im Harz“ oder „Wasser plätschert und Currywurst vom Harzer Wildschwein“. Und dann bin ich eigentlich schon auf dem Weg…Dolomiten im Harz

Wenn das Ziel feststeht, dann unterscheiden sich die Vorbereitungen kaum, ob es in den Harz geht oder nach Nepal. Ich sammele Informationen rund um die Schlagwörter bzw. die Orte, die mich „angefixt“ haben. Lauter kleine Puzzlestücke schwirren dann ungeordnet um mich herum. Dazu gehören auch Packlisten. Ich gebe zu, für meine Tour im Himalaya habe ich sehr viele Packlisten gelesen. Dann habe ich mir auf vielen Zetteln und Kladden Notizen gemacht. Und immer wieder suchte ich nach diesen Schnipseln und Aufzeichnungen. Da war doch was? Wie war das noch mal? Und wo habe ich das noch mal hingeschrieben? Alle „simplify your life“ und „Timemanagement“ Tipps ignorierend habe ich es nie geschafft, daraus eine Liste zu kreieren. Ich habe es nie geschafft meine Euphorie und Vorfreude in organisierte Vorbereitung und Organisation zu kanalisieren. Kurzum: es gibt keinen linearen Plan. Was ist das Gegenteil von linear? Vielleicht komme ich hier weiter: „chaotisch, anachronistisch, diskontinuierlich, aus der Spur“ (www.wordspiegel.com). Ja, das könnte meine Art der Reisevorbereitungen beschreiben. Wahrscheinlich nichts was ich als Tipp oder Ratschlag weitergeben kann. Oder vielleicht doch?

Meraner Höhenweg mit Hund – Vision und Wirklichkeit

Anwolf unterwegs
Testlauf im Harz

Nun wartet der Meraner Höhenweg. Und auch hierzu gibt es Bilder in meinem Kopf. Ich liebe das unterwegs sein. So reizen mich natürlich besonders Reisen von Ort zu Ort oder Mehrtageswanderungen. Auf solchen Reisen entwickelt sich eine  besondere Dynamik und das Unvorhersehbare macht den besonderen Reiz aus. Bevor Bobby bei uns einzog, habe ich begonnen  Moutainbike zu fahren und ich liebe es. In einer Bikezeitschrift las ich den Bericht von einer Matterhorn -Umrundung. Ich war sofort begeistert und es stand für mich fest: Das will ich machen! Dann kam Bobby und die romantische Vorstellung, das Matterhorn mit Bike und Bobby zu umrunden. Völlig unrealistisch, wie ich irgendwann einsehen musste. Nicht nur, weil Bobby lange Zeit alle Fahrradreifen kaputt beißen wollte, sondern auch weil weder ich noch mein Hund das jemals konditionell schaffen würden. Diese Vision musste der Wirklichkeit weichen.

Als ich dann über Wanderberichte mit fantastischen Bildern von Menschen im Rentenalter vom Meraner Höhenweg gestolpert bin, da schien das eine machbare Alternative zu sein. Das hört sich zwar etwas weniger spektakulär als das Matterhorn an, aber ich sage euch, die Aufregung und Vorfreude ist trotzdem riesig. Schafft Bobby das? Jede Nacht woanders? Ist das nicht zu viel Stress für ihn? Können wir Bobby frei laufen lassen, wo er doch oft so impulsiv und unberechenbar ist? Sollen wir etwa den ganzen Weg mit Schleppleine gehen? Wie hält er die mögliche Hitze aus? Wie reagieren die Hüttenwirte auf ihn? Wird Bobby lieb und nett sein oder als bellendes Monster auftreten? Und nun ist er auch gerade so mäkelig mit dem Futter geworden. Wird er das geplante Trockenfutter überhaupt essen?

Aber auch hier: Mein Antrieb und meine Zuversicht wird von der Vorfreude und von den Bildern in meinem Kopf gespeist: Gemeinsam mit Bobby die Gipfel stürmen. Wir alle gemeinsam als Team. Jeder mit seiner Verantwortung für den anderen. Und so sammele ich wieder Informationen, kaufe vielleicht die unwichtigsten Dinge zuerst: Der Hunderucksack ist schon da. Was wirklich rein soll: keine Ahnung. Aber Bobby sieht einfach toll aus damit, finde ich. Ganz schön unvernünftig vielleicht. Aber manchmal will ich gar nicht so viele Fakten wissen, möchte meine Bilder behalten. Und ich habe den Eindruck, auch Bobby ist davon angesteckt. Auf jeden Fall bewegt er sich mit Rucksack sehr konzentriert und er trägt ihn voller Stolz und Verantwortung, wie ich finde.Hunderucksack Harz

Eine Sache haben wir dann aber tatsächlich schon geplant, und zwar die Hütten. Schon Anfang Mai haben wir alle sieben Übernachtungen vom 16.  bis 23. August durchgeplant. Fast alle Hütten haben ein paar wenige Doppelzimmer. Da kann man dann unproblematisch mit Hund übernachten. In einer Hütte, für die es auch keine Alternative gibt, haben wir „Lager“ buchen müssen. Ich habe keine Ahnung, wie das mit Bobby geht. Aber ich habe nicht nachgefragt. Ich will einfach daran glauben, dass alle anderen in dem Lager kein Problem mit unserem Monster hat. Sonst schlafen wir mit Bobby draußen oder im Stall… Ich will einfach vorher noch nicht so viele Probleme sehen. Und da fällt mir tatsächlich ein Erfahrungswert ein, den ich hier weitergeben kann: Vieles lässt sich vor Ort am besten klären. Viele Befürchtungen und mögliche Probleme lösen sich beim „einfach Tun“ plötzlich in Luft auf. Und meine Bilder und Visionen von unserer bevorstehenden Reise helfen mir daran zu glauben. Alle anderen Puzzlestücke finden sich irgendwie irgendwann, spätestens im August in Südtirol zusammen zu einem Plan… sogar mit einem gepackten Rucksack.

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ (Antoine de Saint-Exupery)

Ich gebe zu, ein wenig entspannter kann ich die Sache natürlich auch angehen, da ich nicht alleine reise. Wolfgang hat z.B. einen solch wunderbaren Plan gezeichnet . Mein Gekrizzel mit Hüttennamen, km-Angaben und Stichworten auf diversen Schmierzetteln möchte ich euch ersparen. 😉

Anwolf - Unterwegs am Meraner Höhenweg
Anwolf – Unterwegs am Meraner Höhenweg
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