In ein paar Tagen ist Sommeranfang. Aber viel Sonne wurde uns in den letzten Wochen nicht beschert. Dafür gab es umso mehr Regen. Aber das Gute am Regen ist: die Natur explodiert! Und besonders jetzt im Frühsommer sprießt und blüht es überall. Hier in der Region nördlich des Harzes zauberte der Raps gelbe Teppiche in die Landschaft und aktuell sind es die Kornblumen, die leuchtend die Felder säumen.

Almwiesenblüte bei St. Andreasberg

Bei St. Andreasberg im Harz findet man allerdings etwas für diese Region ganz besonderes: blühende Almwiesen. Als meine Eltern mir eher beiläufig davon erzählten, war meine Neugierde geweckt. Gleich am nächsten Tag wurden meine Eltern mit eingepackt und los ging es Richtung Harz – bei strömenden Regen – egal.

Und es ist wirklich faszinierend: Solch großflächige Wiesen mit diesem Artenreichtum kannte ich bisher nur aus den Alpen. Wir gingen eine ca. 1,5 stündiger Runde durch diese herrlichen bunten Wiesen. Und trotz des Regens leuchtete es um uns herum in allen Farben. Und welch Glück, ab und zu hörte es auf zu regnen und da blinzelte sogar der Brocken hinter den Wolken hervor.

Blumenwiesen St. Andreasberg
Almwiesenblüte mit Brocken

Blütenwanderungen zwischen Harz und Heide

Dieses Naturschauspiel haben meine Eltern allerdings auch nicht selbst entdeckt, sondern einem kleinen Wanderführer entnommen: „Blütenwanderungen zwischen Harz und Heide“ von Bernd Berger. Dieses Büchlein beschreibt, wo man Monat für Monat besondere Blütenerlebnisse finden kann. Eine tolle Idee finde ich. Diesen Wanderführer habe ich mir erst mal unter den Nagel gerissen.

Immer noch total begeistert  von unserem Regenausflug letzte Woche durch die blühenden Wiesen bei St. Andreasberg schaute ich heute morgen aus dem Fenster: wieder mal Regen, was sonst. Aber das macht nichts, ich habe ja nun diesen Wanderführer. Mit Stift und Zettel saß ich bei meiner ersten Tasse Kaffee und schmiedete folgenden Plan: eine Fototour durch die Region auf der Suche nach seltener und bunter Blütenpracht, die diesen grauen Tag schön bunt macht.

Auf der Suche nach den bunten Blüten

Ich habe ja schon erwähnt, dass meine Planungen für Wanderungen und Reisen immer eher chaotisch ablaufen. Das kleine Buch machte es mir allerdings auch nicht leichter. Ich wollte ja mehrere Orte aus dem Buch aufsuchen, um entsprechend viele bunte Fotos zu schießen. Das Inhaltsverzeichnis ist nach Blütemonaten geordnet, soweit noch einfach: wir haben Juni. Dahinter steht dann die Seitenzahl für die Beschreibung. In der Beschreibung findet sich eine Tournummer, die man dann auf einer der beiden Karten findet. Hier musste ich dann feststellen, dass die Orte, die ich mir rausgesucht habe, so weit voneinander entfernt liegen, dass ich die meiste Zeit im Auto sitzen würde. Also anders herum: Erst auf der Karte logistisch sinnvoll nebeneinander liegende Touren raussuchen und dann der Blick in die Beschreibung. Hier nun auch wieder Pech: die Blütezeiten stimmen nicht überein. Ich war logistisch überfordert, da es nirgendwo Blütemonat, Tournummer und Hinweis zur Seitenzahl mit Beschreibung auf einem Blick gibt. Nach vielem hin und her geblättere, habe ich dann fünf verschiedene Orte gefunden, die man irgendwie zusammenlegen kann. Die erste Station sollte Schladen im Vorharz sein. Die Stichworte: Okerbrücke und Zuckerfabrik ließen mich zielsicher den Ausgangspunkt für diese Blütenwanderung finden. Weiter in der Beschreibung hieß es: Immer an der Oker entlang, auch wenn der Weg Richtung Osten abbiegt. Und so schlug ich mich als der Weg Richtung Osten abbog durch die Wildnis, um immer an der Oker zu bleiben.Okertal Schladen

Über weichen von Schlingpflanzen gepolsterten Boden, über umgefallene Bäume und durch einen „herrlichen“ Brennesselwald folgte ich stets dem Flusslauf. Die Stimmung war toll und Bobby und ich ein gutes Team. Aber wo waren die Blumen? Durch die vielen verschiedenen Beschreibungen, die ich an diesem Morgen über irgendwelche Pflanzen gelesen hatte, wusste ich auch gar nicht mehr, wonach ich suchte.

Okertal
Sind hier die Blüten?
Hier sind auch keine Blüten
Hier sind auch keine Blüten

So stromerten wir durch die Gegend und ich war begeistert von Bobby, wie er das Gelände meisterte. Vorsichtig ging er über Gehölz, das teilweise unter diesem Schlingpflanzenteppich lag. Er wartete brav, bis ich über umgestürzte Bäume stieg und folgte dann dem Weg, den ich ihm drunter durch zeigte. An einer besonders unwegsamen Stelle wollte ich einen Film von Bobby machen. Und da blinkte nicht nur die rote Lampe fürs Filmen. Nein, der Akku war in den letzten Zügen und ich hatte noch nicht eine einzige Blüte fotografiert. Da beschloss ich umzukehren, und den nächsten Ort meines Planes aufzusuchen. Ich wollte mit dem letzten Saft meines Akkus unbedingt noch ein Foto von einer Blume machen.

Wieder am Auto angekommen schaute ich in mein Büchlein: Wiesenblumen und Margeriten hätten dort an einem See sein sollen. Der Weg dahin wurde allerdings als mühselig beschrieben. Zu mühselig für uns, um den See je zu erreichen.

Von Schladen ging es Richtung Osterwieck. Da sollten mich rechts und links der Straße unendlich viele wildwachsende Heckenrosen erwarten. Natürlich wurde in dem Wanderführer auch darauf hingewiesen, dass die Monatsangaben nur eine ungefähre Richtlinie darstellen und die Natur eben ihren eigenen Rhythmus hat. Was soll ich sagen, ich war entweder zu früh oder zu spät dran. Die Heckenrosen bestachen durch blütenlose Pracht. Aber ein paar Blumen habe ich am Straßenrand dann doch noch gefunden – ganz ohne Wanderführer.

Danach brach ich dann mein „Projekt Fototour“ ab und war keineswegs unglücklich. Der Ausflug hat uns mal wieder an einen Ort gebracht, der für Abenteuer und Überraschungen gesorgt hat. Auch das macht den Tag bunt!

Almwiesen bei St. Andreasberg
Anwolf – Unterwegs in bunten Blüten

Die Idee des kleinen Wanderführers finde ich nach wie vor großartig und ich werde bestimmt noch die ein oder andere Blütentour, ob mit oder ohne Blüten unternehmen.

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