Jeden Tag schaue ich besorgt in den Himmel und auf diverse Wetter-Apps während die Nervosität steigt. Bis Anfang Oktober schien es, als bliebe der Sommer ewig – Badewetter bei strahlend blauem Himmel. Ein herrlicher goldener Herbst würde das bestimmt. Ich freute mich auf viele schöne Wanderungen und Fotos von leuchtenden Herbstwäldern. Dann verfärbten sich die Blätter bunt und zeitgleich der Himmel in ein schnödes Grau. Sollte dieser Herbst vorbei gehen, ohne dass ich einen Artikel über eine klassische Herbstwanderung mit entsprechend farbenfrohen Fotos auf meinem Blog verewigt habe?

Jeden Tag grau – wo ist der goldene Herbst?

Die ganze Welt in einem Wald – Arboretum WeltWald Bad Grund

Und dann kam sie, die Wettervorhersage für das letzte Wochenende im Oktober: bedeckt mit kurzen Auflockerungen, ab und zu Sonne möglich. Jetzt durfte nichts mehr schief gehen. Ich musste irgendwo hin, wo die Chance möglichst groß ist, in diesen kleinen sonnigen Zeitfenstern einen Laubbaum vor die Linse zu kriegen, bzw. möglichst verschiedene Arten von Laubbäumen.

Da fiel mir eine Tour ein, die wir bereits im Hochsommer gemacht haben. Diese ca. 12 km lange Harzwanderung beginnt in einem  Arboretum, dem WeltWald Bad Grund. Über das Himalaya geht es zum Appalachensteig und den Japanischen Blütenweg, durch das Markautal weiter über den Nordamerika- und Kanadaweg. So durchstreift man die Welt in nur einem Wald. Auch die weitere Wegstrecke habe ich als sehr abwechslungsreich in Erinnerung. Leider war die Ausbeute an Fotos  bei unserer Hochsommertour nicht sehr groß. Die Lichtverhältnisse waren extrem hell und die Fotos gaben die Vielfalt dieser Wanderroute nicht wirklich wieder. Ich hatte mir vorgenommen auf jeden Fall wiederzukommen.

Dies schien mir nun der richtige Ort, um den vielleicht letzten Moment goldenen Herbstes in diesem Jahr einzufangen. Ausgangspunkt der Wanderung ist der Parkplatz Hübichenstein am WeltWald Bad Grund. Vorbei an Mammutbäumen und Rhododendronbüschen über eine Hängebrücke erreicht man eine Kneipp-Stelle. Im Sommer eine willkommene Abkühlung.

Durch das Liebeswäldchen nehmen wir Kurs auf Bad Grund, eine der ältesten Bergbaustädte im Harz – heute Kurort. Auf unserer Sommertour floss hier schon der Schweiß und die Sonne brannte, heute war der Himmel immer noch grau.

Noch nicht gefunden - den goldenen Herbst
Noch nicht gefunden – den goldenen Herbst

Baudensteig im Harz – ein Eis, ein hölzerner Schweinebraten, Grünkohl und Bregenwurst

Kaum hatten wir das Arboretum verlassen, riss der Himmel auf und da war er: der goldene Herbst! Blätter, Bäume, Bobby, alles erstrahlte in Gold- hach, dass ich das noch erleben darf.

Zur Feier des Tages, des Herbstes, der Sonne und in Erinnerung an den Sommer gab es in Bad Grund ein Eis. Nach dieser Stärkung wanderten wir am Kurzentrum vorbei zum Teufelsgrund und besichtigten den geologischen Lehrpfad.

Durch das Sagen- und Märchental kamen wir zum Höhlen Erlebniszentrum Iberger Tropfsteinhöhle. Dies scheint ein echter Anziehungspunkt zu sein. Indiz dafür sind die Reisebusse vor der Tür. Mit Bobby gehen wir daran vorbei. Diese Wanderung streift viele kleine und große Sehenswürdigkeiten. Nicht nur Natur und Geologie, auch Kulinarik kommt nicht zu kurz. Wir befinden uns mittlerweile auf dem Baudensteig. Ein Harzer Wanderweg der insgesamt acht Gasthäuser miteinander verbindet.

Erwartungsvoll gingen wir diese „Fressmeile“ Richtung „Schweinebraten“. Mittlerweile hatten wir alle Hunger. Aber was uns dort erwartete war dann doch etwas enttäuschend…weltwald-bad-grund-34

Schweinebraten bei Bad Grund
hölzerner Schweinebraten bei Bad Grund

Am „Schweinebraten“ sahen wir schon die Hinweisschilder zur echten „Baude“ Iberger Albertturm – noch ein knapper Kilometer. Diese Waldgaststätte ist uns noch von unserer Hochsommertour als besonders empfehlenswert in Erinnerung geblieben. Wurst aus eigener Herstellung – einfach lecker.

Iberger Albertturm
Iberger Albertturm

Rundwanderung – Weltwald Bad Grund – Geologischer Lehrpfad – Schweinebraten – Iberger Albertturm – kurzweilig und lecker

Ich habe richtig Freude an dieser Wanderung.  Bei der Durchsicht der Bilder kam dann eine gewisse Enttäuschung auf – Bäume, Wege, Steine, ein paar Häuser. Wie schon nach unserer Sommertour spiegelten die Fotos meiner Meinung nach nicht  die Vielfalt des Arboretums und die Kurzweiligkeit dieser Wanderung wieder. Merkwürdig – ich habe schon Wanderungen gemacht, die auf den Fotos nach spektakulärem Erlebnis aussahen, aber in der Tat viel langweiliger waren.weltwald-bad-grund-03weltwald-bad-grund-04

Kurzum, ich kann die Gegend um Bad Grund wirklich empfehlen. Hier laufen etliche Wanderrouten zusammen. Es gibt besagten Baudensteig, das Wegenetz des WeltWaldes und gut ausgeschilderte Rad- und Fußwege. (Gute Ausschilderung ist man im Harz ja nicht überall gewohnt.) Hinzu kommen weitere Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele. Dutzendweise Bad Grund wirbt mit zwölf besonderen Highlights in der Region. Ich habe den Eindruck, hier bemüht man sich um Touristen, Wanderer und Gäste. (Auch das ist man ja im Harz nicht unbedingt gewohnt.)

Nur die Mogelpackung mit dem Schweinbraten ist ne echte Schweinerei!

wegkreuz-schweinebraten

Zum Nachwandern

Unsere Wanderung: „Vom Arboretum Bad Grund zum Hübichstein“ ist die Tour 21 aus dem Wanderführer: Wandertouren für Langschläfer im Harz (Richard Goedecke). Die König Hübich Route ist ähnlich. Etliche Wanderungen und Themenwege sind im Netz zu finden.

Anwolf - Unterwegs im WeltWald Bad Grund
Anwolf – Unterwegs im WeltWald Bad Grund
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