Stille – Knack – Schmatz. Stille – Knack – Schmatz. … Ein neues Geräusch ist seit einiger Zeit in unserem Haushalt zu hören und es wird von einer ebenso ruhigen, wie konzentrierten Atmosphäre begleitet. Bobby und ich „klickern“ jetzt. Jeder Hundehalter weiß bestimmt wovon ich spreche und fragt sich trotzdem was das bitte mit unserer geplanten Wohnmobilreise zu tun hat. Ich werde aufklären. Aber als erstes zu den Fakten: 14 Tage Roadtrip durch Polen mit Ostseeküste ab Anfang Juni in einem „Kastenwagen“ (L/B/H ca. 541,2/205/258) sind fixiert. Offene Fragen: Viele!

Wohnmobil mit Hund – Unterwegs in Polen

Noch nie war ich in Polen. Die Gegend von Breslau ist die Heimat meiner Mutter, die sie nach dem 2. Weltkrieg durch Flucht verlassen musste. Immer wieder haben wir darüber gesprochen, dort mal gemeinsam hin zu fahren. Doch sie ist kein Mensch der zurückschaut. Einmal war sie im Rahmen einer Bildungsreise dort und das reicht ihr. Sie sagt, sie verbindet nichts mehr mit diesem Ort. Mein Vater ist da anders. Schon zwei Mal haben mein Bruder und ich ihn an seine Geburtsstadt im heutigen Tschechien begleitet. Je älter er wird, desto wichtiger scheint ihm dieser Ort zu werden. Heimat – ein schwieriges Thema in unserer Familie. Wie dem auch sei, Polen steht schon lange auf meiner Liste der Länder, die ich besuchen möchte. Neben meinen Wurzeln gibt es dort viel Küste und eine abwechslungsreiche Landschaft. Das Essen und das Bier sollen lecker sein. Alle Menschen polnischer Herkunft, die ich bisher kennengelernt habe, waren sehr freundlich und hatten einen guten Humor.wohnmobil-mit-hund-12

Und irgendwie sind diese beiden Ideen, die sich schon lange in meinem Hinterkopf aufhalten: „Wohnmobil mit Hund“ und „Reise durch Polen“ zusammengeschmolzen. Ich finde, sie passen einfach gut zusammen.

Wohnmobil mit Hund – und viele offene Fragen

Es scheint das Normalste auf der Welt zu sein, mit seinem Hund im Wohnmobil zu reisen. Überall hört man es, sieht man sie, liest man davon. Und trotzdem habe ich keine realistische Vorstellung davon, wie das gehen kann. Ich bin blutige Anfängerin in diesem Thema. Vielleicht geht es ja dem ein oder anderen ähnlich?  Ich frage mich:

  • Wo leihe ich überhaupt ein (günstiges) Wohnmobil?
  • Welche Modelle sind für die Mitnahme von Hunden geeignet?
  • Wie sichern wir Bobby während der Fahrt? (Er ist es gewohnt in seiner Box im Kofferraum zu fahren.)
  • Wie sichern wir ihn auf Campingplätzen oder an freien Stellplätzen? (In der Nähe von Straßen würden wir ihn nie frei laufen lassen.)
  • Wie reagiert Bobby dort auf andere Hunde? (Er ist ja eher der misstrauische Typ.)
  • Haben wir da möglicherweise mehr Stress als Freiheit?

Wohnmobil mit Hund – Welches Modell ist geeignet?

Bei meiner Recherche im Internet wurde ich überflutet von Fremdwörtern wie Alkoven, teil- und vollintegriert, Kastenwagen, Hubbett, Längs- und Querschläfer. Es gibt spezielle „Dog-Mobile“, sowie Plattformen, auf denen Privatwohnmobile vermittelt werden. Meistens kann man das Auswahlkriterium „Hund erlaubt“ eingeben und es stehen einige Modelle zur Verfügung.

Völlig überfordert von der Auswahl nahmen wir bei einem örtlichen Verleiher ein paar Modelle in Augenschein. In einem der „Reise“mobile war sogar eine Garage für einen Kleinwagen integriert. (In dem Zusammenhang ist mir auch der Begriff „Glamper“ über den Weg gelaufen. Das beschreibt den modernen Wohnmobilisten, der auf ein wenig Glamour beim Camping nicht verzichten möchte – Porsche statt Gartenzwerg oder so ähnlich.)

Die Reise im Wohnmobil hat eine lange Tradition.

Die Mitnahme von Hunden war überraschender Weise überhaupt kein Problem. Unser Wohnmobilberater ist ebenfalls Hundehalter. Er war uns sympathisch und wir beschlossen gleich hier zu buchen. Die Preise variieren nach Saison, Modell und Ausstattung. Wenn man alle Nebenkosten und eventuell noch die Anfahrt zur Abholung mit einrechnet, gibt es kaum preisliche Unterschiede unter den Verleihern habe ich festgestellt und zugleich eine erste Erkenntnis gewonnen: Low Budget reist man in einem Wohnmobil nicht. Wir haben uns für das günstigste (und kleinste) Modell entschieden und zahlen trotzdem knapp 90 Euro am Tag. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Auch Bobby wird auf ein wenig Komfort verzichten müssen.
Auch Bobby wird auf ein wenig Komfort verzichten müssen

Wohnmobil mit Hund  – Vorteile eines Kastenwagens

Warum haben wir uns nun für das Modell „Kastenwagen“ entschieden? Unsere Gründe:

  • Die Größe und Wendigkeit. Ein Kastenwagen ist vom Fahrverhalten einem PKW ähnlich. (Und man wird nicht auf den ersten Blick als Wohnmobilist entlarvt.)
  • Die Höhe. Ein Kastenwagen hat eine geringere Höhe als die meisten Wohnmobile. Viele besonders schöne Parkplätze haben Höhenbegrenzungen in der Einfahrt.
  • Das Gewicht. Ein Kastenwagen (unserer zumindest) liegt um die 3 Tonnen. Wohnmobile über 3,5 Tonnen werden in vielerlei Hinsicht einem LKW gleichgestellt. Neben besonderen Verkehrsregeln muss in einigen Ländern eine extra Maut gezahlt werden, so auch in Polen. Vom ADAC gibt es dazu ein Merkblatt mit Länderübersicht.
  • Der Preis. Ein Kastenwagen ist preislich im unteren Niveau. (Und eng ist es sowieso in jedem Wohnmobil, denke ich.)

Einen sehr informativen Artikel habe ich bei Bimo-on-tour gefunden: Welches Wohnmobil ist für mich das Richtige? 

Wohnmobil mit Hund – Wie sichere ich meinen Hund während der Fahrt?

Ich bin ja was Bobby betrifft (über-?) vorsichtig. Immer wieder bleibt mir das Herz stehen, wenn ich andere Hunde freilaufend an einer stark befahrenen Straße sehe. Niemals würde ich das wagen! Genauso wenig, wie den Hund einfach ungesichert im Auto auf dem Beifahrersitz oder gar auf der Hutablage im Auto mitfahren lassen. Bobby reist bei uns immer in seiner Alubox. Die ist natürlich so groß, das er bequem darin liegen kann. Wir verzichten auf den Kofferraum. Der ist für Bobby reserviert. Auf Reisen liegen unsere Klamotten verstreut im Auto.

Bobby hat eindeutig die größte Beinfreiheit während der Fahrt.
Bobby hat eindeutig die größte Beinfreiheit während der Fahrt.

Schnell mussten wir uns von der Box als Transportmittel im Wohnmobil verabschieden. Ohne größere Umbauarbeiten und / oder dem Kauf einer neuen, kleineren Box ist es eigentlich nicht möglich, irgendwo eine Box zu platzieren. Zumindest nicht in unserer Wohnmobil-Preiskategorie mit entsprechendem Raumangebot. Meine Recherchen im Netz, sowie mein Beitritt in zwei Facebook-Gruppen mit nachfolgendem hilfreichen Austausch, ließen mich daran erinnern, dass ich mal irgendwann auf dem Flohmarkt ein Hundesicherheitsgeschirr für das Auto gekauft habe. Zwischen diversen Leinen, Halsbändern, Futterbeuteln, Bällen, Zergelseilen und sonstigen Hundezubehör ganz unten in der Bobby-Kiste fand ich es dann. Es handelt sich sogar um ein Geschirr von „Hunter“, das (neben den „Kleinmetall“-Geschirren) besonders empfohlen wurde: Bingo!

Einige Schätze wurden in der Bobby-Kiste gefunden.
Einige Schätze wurden in der Bobby-Kiste gefunden

Und jetzt kommt der Haken: Bobby hasst Geschirre! Wenn wir das Geschirr nur in die Hand nehmen, schleicht er davon. Wenn ich es ihm umlege, erstarrt er als ob plötzlich all seine Bewegungsfähigkeit verloren sei. Wenn wir dann allerdings draußen sind, schüttelt er sich einmal und alles ist gut. Verstehe einer diesen Hund.

Hundegeschirr
Bobby und das böse Geschirr

Wohnmobil mit Hund – Autosicherheitsgeschirr schön klickern

Diesmal will ich alles richtig machen. Bobby soll dieses Autohundesicherheitsgeschirr einfach nur toll finden und er soll völlig angstfrei damit reisen. Kein hinterherlaufen, festhalten, schnell drüber ziehen und dann gut zu reden, dass das doch alles gar nicht so schlimm sei. Mit diesem Geschirr soll Bobby nur Positives verbinden. Und da sind wir beim „Klickern“. Bei all meinen anderen Bestechungs- und Überzeugungsmethoden wird Bobby hier und da schon mal misstrauisch, was ich wohl im Schilde führe. Das „Knack“ des Klickers ist noch völlig unverbraucht. Den Klicker habe ich ebenfalls in der Bobby-Kiste ganz unten gefunden. Mir war diese Methode immer etwas zu mühselig. Ich bin kein geduldiger Mensch. (Ich weiß, schlechte Vorrausetzungen als „Hundemama“.)

"Was willst du schon wieder von mir?"
„Was willst du schon wieder von mir?“

Und so funktioniert das Ganze: Klickern ist eine Methode, dem Hund anhand von positiver Bestärkung etwas beizubringen. (Klick mit Knackfrosch plus Belohnung = gut gemacht, ersetzt das oft gehörte „priiiima“.) Es handelt sich um eine sehr kleinschrittige (und nachhaltige?) Methode: 1. Schritt: Hund nähert sich den Geschirr – Klick und Leckerchen; 2. Schritt: Hund geht ein ganz klein wenig selbständig mit dem Kopf durch das Geschirr – Klick und Leckerchen; Endergebnis: Der Hund freut sich wie Bolle wenn er nur das Geschirr sieht und springt selbständig hinein.

Schritt 1 ist geschafft: Bobby rennt nicht weg beim Anblick des Geschirrs
Schritt 1 ist geschafft: Bobby rennt nicht weg beim Anblick des Geschirrs
Wir nähern uns Schritt 2 - noch will der Kopf nicht ganz hindurch.
Wir nähern uns Schritt 2: Noch will der Kopf nicht ganz hindurch.

So, nun darf ich keine Zeit mehr mit Schreiben vertrödeln. Es wartet die nächste Übungseinheit. Ich halte euch natürlich weiter auf dem Laufenden über unsere „Roadtrip“-Planungen und freue mich über jeden Tipp. Bis Bald!

Blogempfehlung zum Thema Wohnmobil mit Hund

Wenn Andrea von Mein Wanderhund mit ihrem Hund Ari nicht gerade in den Bergen unterwegs ist, reist sie auch schon mal im Wohnmobil. Sie hat unter anderem „Fünf Tipps zur Planung“ zum Thema Wohnmobil mit Hund zusammengestellt.

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