Wir flanieren einfach mit. Von einem der Großparkplätze geht es Richtung Meer. Wie wir sind viele unterwegs. Wir drehen eine kurze Runde durch den Kurpromenaden-Park und werfen einen Blick auf den kilometerlangen Sandstrand, überall munteres Treiben. Und erstaunlicherweise hat hier fast jeder mindestens einen Hund dabei. Bobby ist anscheinend so reizüberflutet, dass es das Ganze recht ruhig hinnimmt. Nur ab und zu grummelt er. Aber wir sind heute nicht wegen des Strandes hier, sondern wegen Kaffee und Kuchen. Deswegen steuern wir den Timmendorfer Platz an. Eine typische Fußgängerzone für eine Kleinstadt könnte man meinen, wenn auf dem Weg dorthin nicht Porsche, Ferrari und … (jetzt gehen mir schon die Markennamen aus – so Autos eben 😉 ) nacheinander an uns vorbei vorbeifahren würden.  Auf dem Platz reiht sich ein Cafe an das andere – alle voll besetzt – sehen und gesehen werden. Wir haben Samstag, Anfang  März, Wetter mäßig, absolute Nebensaison. Wir sind in Timmendorfer Strand.

Aufregung im Vogelpark Niendorf und hoch oben am am tiefsten Punkt Deutschlands

Wir sind für ein Wochenende an der Lübecker Bucht und haben Bobbys Nerven an diesem Tag schon ganz schön gefordert. Am Strand ist er ja immer extrem nervös und angespannt und kann seinen Blick nicht vom Horizont lösen. Für ihn nicht definierbares wird angekläfft. Jeder Versuch bisher, ihn von der Leine zu lassen endete im Desaster. Der Horizont ist weit und Bobby will unbedingt wissen was da ist. Und er kann wirklich schnell sein. Und da am Horizont, das kann ein Kind sein oder ein Surfer oder ein Angler. Von anderen Hunden wollen wir gar nicht reden. Aber wir geben nicht auf. Mit Schleppleine bewaffnet, Leberwurst in der Tasche und ganz viel Ruhe üben wir.

Aber das war gestern. Heute wollten wir nicht an den Strand sondern etwas Entspannung in der Natur. So haben wir uns das Naturschutzgebiet am Hemmelsdorfer See mit Vogelpark Niendorf vorgenommen. Gleich hinter Timmendorfer Strand liegt dieses Auengebiet, dass eine besondere Flora und Fauna aufzuweisen hat. Wir starteten unseren Ausflug im angrenzenden Vogelpark, in dem man die heimischen Vögel, wie Störche, Reiher, Schwäne und Enten, Uhus und Eulen, aber auch Exoten wie Geier, Flamingos und Papageien bestaunen kann. Aber sind wir naiv, dumm oder einfach beides zusammen? Mit Bobby als Pudel-Labrador-Mix, beide Rassen für die Entenjagd gezüchtet, dazu noch mit einem recht dünnen Nervenkostüm ausgestattet in einen Vogelpark? Vorerst ging alles recht gut. Wir passierten einige Volieren. Dann wollten wir in das durch einen Zaun abgegrenzte Freigehege. Ein beachtlicher Reiher beobachtete uns ganz genau. Als wir das Gatter im Zaun öffneten, plusterte sich dieser Vogel auf und steuerte mit schnellen Schritten auf seinen langen Beinen in unsere Richtung. Er zeterte und schimpfte. Bobby hörte nur: „Ring frei“. Das vage Gefühl, dass diesmal mein Schultergelenk daran glauben musste trat zeitgleich ein wie sein wildes Gekläffe begleitet von einem tiefen Knurren. Wir traten sogleich den Rückzug an. Zu gefährlich war dieser Vogel fand Bobby und wir schlossen uns dieser Meinung an.

… da treten wir lieber den Rückzug an!

Ein kurzer Check, meine Schulter hatte dem Leinenruck standgehalten. Aber Bobby war nun völlig aus dem Häuschen. Wir beschlossen, uns ruhigeren Gesellen zu widmen und schauten uns die Uhus und Eulen an. Das beruhigte auch Bobby wieder ein wenig, so dass wir danach noch ohne weitere Zwischenfälle die schwarzen Schwäne auf ihrem Nest und eine Storchkolonie beobachten konnten.

Dann verließen wir den Park und wanderten eine kleine Runde durch das Naturschutzgebiet zum Hemmelsdorfer See, in dem übrigens der tiefste Punkt Deutschlands liegt (39 Meter unter Normalnull). Da hatte Bobby allerdings erneut etwas zu meckern. Den knapp 15 Meter hohen Aussichtsturm „Herrmann-Löns-Blick“ bestieg ich ohne ihn. Er wartete unten mit Wolfgang. Dass ich mich alleine ohne seinen Schutz in diese Höhen wagte, das gefiel ihm gar nicht und er beschwerte sich lautstark.

Hermann-Löns-Blick

Firschbrötchen in Niendorf und endlich jemand, der Bobby versteht

Wieder glücklich vereint führte uns die kleine Rundwanderung zum Niendorfer Hafen, der als kleiner Fischereihafen richtig Charme hat. Am Imbissstand der Klüvers Hafenräucherei gab es dann endlich unser hart verdientes Fischbrötchen. Am Nachbartisch bemerkten wir schon das Interesse an Bobby und die so oft gestellte Frage kam: „Was ist denn das für eine Rasse? Jagdhund? Deutsch Drahthaar?“ Das vermuten tatsächlich viele, auch Pudelpointer ist immer mal dabei. „Nein, Labradoodle“ – „Ah, diese Allergiker-Hunde. Aber Jagdtrieb hat er schon, oder? Das sehe ich in den Augen.“ sagte der Herr aus der Gruppe und sein Blick wurde ganz sehnsuchtsvoll. „Dieser besondere wache Blick! Toll!“ Und wie als ob Bobby ihm etwas beweisen wollte, sprang er mit einem lauten Wuff in die Leine – eine Ente watschelte über die Wiese. Der Herr schmunzelte wissend in sich hinein. Er sah in Bobbys Augen den Blick seiner ehemaligen Hündin – eine Jagdhündin – wie er uns im weiteren Gesprächsverlauf berichtete. Bobby hatte einen neuen Freund. All mein Ärger über Bobby war verflogen. In dem Moment dachte ich nur ganz stolz: Ja das ist unser Bobby!

Warten auf das Fischbrötchen – eher nicht der Blick eines Jagdhundes…

Fischereihafen Niendorf

Nun ja. All das passierte schon bevor wir nun in Timmendorfer Strand angekommen sind, um nach Kaffee und Kuchen zu suchen. In allen wichtigen Cafes, wie z.B. im „Cafe Wichtig“ ist jeder Platz belegt. Wir ergattern einen Tisch in einer Eisdiele, rund um uns auf 10 qm bestimmt 10 Hunde. Leider gibt es keinen Kuchen. Aber Aperol Spritz passt auch viel besser nach Timmendorfer Strand. Wir schnaufen etwas durch und lassen das Erlebte Revue passieren. Meine Gedanken schweifen zum gestrigen Tag.

Bobby und das Meer – Strandspaziergang in Scharbeutz

Eigentlich sind wir an diesem Wochenende ja in Scharbeutz, dem Nachbarort von Timmendorfer Strand. Auch hier ist viel los, aber alles ist etwas weniger mondän und wesentlich ruhiger. Man kann kilometerweit am Strand entlang gehen. Gerade im Winter wenn es keine Leinenpflicht gibt, ein Traum für Hunde. Natürlich nicht für uns. Das schöne ist aber, dass man parallel dazu fast die ganze Strecke auch auf der Promenade gehen kann. Das ist wiederum gut für uns. So können wir mit Bobby immer dort wo am Strand zu viel los ist, auf die Promenade ausweichen. In ruhigeren Abschnitten wagen wir uns dann ans Meer. Und wir hatten nach anfänglicher Hektik und heillosem Verheddern in der Schleppleine sehr schöne Momente. Bobby schaffte es, einfach ruhig das Meer zu beobachten und er war dabei sogar ansprechbar. Zwei Bojen im Meer veranlassten ihn ein Stück ins Wasser zu gehen – ganz vorsichtig und aufmerksam und gar nicht panisch und getrieben. Bobby und das Meer – dieses Kapitel ist noch nicht abgeschlossen!

Eine Entdeckung zum Schluss: Neustadt in Holstein

Unser spontaner Wochenendausflug ans Meer hat sich gelohnt. In der Lübecker Bucht, dem Wohnzimmer Hamburgs gibt es keine Winterpause. Aber alles in allem sind die Orte doch etwas künstlich und mir fehlen Hafen und Schiffe. Auf der Rückfahrt besuchten wir noch Neustadt am nördlichen Ende der Lübecker Bucht, Richtung Holsteinische Schweiz. Wir waren sehr angetan von diesem lebendigen Hafenstädtchen. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass Neustadt 2008 den Titel: Ort der Vielfalt von der Bundesregierung erhalten hat. Neustadt in Holstein ist notiert für eines der nächsten Kapitel in „Bobby und das Meer“.

Noch mehr Ostsee auf meinem Blog findet ihr hier.

Bobby und das Meer – Anwolf unterwegs an der Lübecker Bucht
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