Eine Nacht im Harz: Himmelsspektakel am Achtermann

„Da ist der Mond!“ ruft jemand aus der Dunkelheit. Sekunden der absoluten Stille folgen, dann wird gelacht. Ein Scherz. Der Himmel im Westen, wo vor gut einer Stunde die Sonne untergegangen ist, zeigt immer noch eine leicht rötliche Farbe. Der Brocken liegt mittlerweile in absoluter Dunkelheit. Richtung Südosten, wo man vor kurzem noch weit bis ins Harzvorland blicken konnte, leuchten nur noch die Lichter von Braunlage. Es ist kurz nach 22 Uhr, der Blutmond dieser „Jahrhundertmondfinsternis“ erreicht gerade seinen Höhepunkt. Aber er versteckt sich beharrlich hinter einer Wolkenschicht. Über uns ist klarer Sternenhimmel. Egal was noch kommt, unser nächtlicher Ausflug auf einen der schönsten Gipfel des Harzes, die Achtermannshöhe, hat sich bereits jetzt schon gelohnt.

Generalprobe Campen mit Hund: Der Achtermann ruft!

Vor ein paar Tagen las ich durch Zufall von der Mondfinsternis, als ich gerade die Wettervorhersage  für das folgende Wochenende checkte. Wir planten unsere erste Übernachtung mit Bobby in „freier Natur“. Es sollte eine Generalprobe für unsere Mehrtageswanderung mit Hund auf dem South West Coast Path im September werden.

Seit Monaten hat es hier im Norden Deutschlands nicht mehr geregnet. Kaum eine Wolke sorgte für Abkühlung. Aber genau für diese Nacht gab es die Möglichkeit für Unwetter im Harz. Bis 17 Uhr (unsere geplante Abfahrtzeit) fragte ich fast minütlich die Wetter-App. Es änderte sich nichts an der 30%-tigen Wahrscheinlichkeit von Gewitter und Regen. Ich zweifelte. Wolfgang löste das Dilemma auf seine ganz pragmatische Art: „Ich habe mich jetzt schon darauf vorbereitet. Die Rucksäcke sind gepackt. Jetzt will ich auch wie geplant los.“ Die Achtermannshöhe ist der vierthöchste Gipfel des Harzes und  sollte für diese Nacht unser Ziel werden.

Der Achtermann ruft!

Über kaiserliche Wege auf den Gipfel der Achtermannshöhe

Der Himmel war tatsächlich bedeckt als wir eine Stunde später auf dem Wanderparkplatz Oderbrück ankamen. Aber wir waren optimistisch. Wir glaubten an die immerhin 70%-tige Wahrscheinlichkeit, dass es trocken bleibt. Über den Kaiserweg, einem uralten Handelsweg, mit Zelt, Proviant und insgesamt 6 Litern Wasser, starteten wir in den Abend. Die Wegweiser nach gut einem Kilometer geradeaus Richtung Achtermannshöhe ignorierten wir und blieben auf dem Kaiserweg. Denn diese Route ist viel schöner, wie ich finde.

Der Kaiserweg: Teilweise sind noch die Fahrspuren von den Karren auf diesem uralten Handelsweg zu erkennen.
Weiter geht es auf dem Kaiserweg Richtung Königskrug
Eine alte „Kampfbuche“, die dem Kampf gegen die übermächtigen Fichten noch nicht verloren hat.

Hier gibt es keine Wegmarkierungen. Kurz nach den „Kampfbuchen“ geht es an einer kleinen Lichtung links über einen schmalen Pfad bis zum „Milliardenweg“. Diesen breiten Forstweg ein paar hundert Meter Richtung Königskrug folgend, ist dann die Achtermannshöhe wieder ausgeschildert.

Über Felsen und um umgestürzte Bäume herum stiegen wir immer höher.

Aufstieg zum Achtermann: abwechslungsreich und ganz nach unserem Geschmack
Fast geschafft!
Noch schnell den Stempel der Harzer Wandernadel ins Heft drücken, bevor wir Luft holen für die letzten steilen Meter.

Erste Reihe fürs Himmelsspektakel auf dem Achtermann

Einen Mountainbiker trafen wir an der Schutzhütte und Stempelstelle kurz vor dem Gipfel der Achtermannshöhe. Er war der erste auf dem Gipfel an diesem Abend. Als wir keuchend (das Zelt, das Proviant und die 6 Liter Wasser machten sich bemerkbar) ebenfalls oben ankamen, erwartete uns ein fantastischer Blick. Es hatte aufgerissen. Der Himmel über uns war blau. Ein paar dichtere Wolken standen am Horizont. Nichts deutete auf Regen und Gewitter hin. Wir ließen uns auf einer Felsplatte mit Blickrichtung Süd-Ost nieder. Da irgendwo sollte in etwa einer Stunde der Mond aufgehen.

Sonne erwartete uns auf dem Gipfel des Achtermanns.
Bobby hat die erste Reihe zur Mondfinsternis für sich reserviert.
Letzte Absprachen zwischen Wolfgang und Bobby
Da drüben müsste der Mond aufgehen.

360 Grad Rundumsicht auf den Harz: Sonne, Mond und Sterne am Achtermann

Wir blieben nicht die einzigen. Immer mehr Menschen und auch zwei Hunde trafen nach und nach ein. Kameras wurden in Position gebracht. Was folgte, war ein spektakulärer Sonnenuntergang. Dafür hatte es sich schon gelohnt. Und als es dunkler wurde, ging der Blick immer wieder in die Richtung, wo sich hartnäckig Wolken festgesetzt hatten. Dort sollte der Mond bereits aufgegangen sein.

Sonnenuntergang auf der Achtermannshöhe
Brocken on fire

„Da ist er, der Mond,“ höre ich erneut. Und tatsächlich, diesmal ist es kein Scherz. Ganz blass rötlich sehe ich ihn durch die Wolkendecke scheinen. Er wandert weiter und lässt die Wolken hinter sich. Über uns der Sternenhimmel, hinter uns noch ganz wenig Restlicht vom Tag und vor uns der rote Mond. Natürlich versuche auch ich mit meinem Ministativ und Normalobjektiv eine Aufnahme davon zu kriegen als jemand zu mir sagt: „Kannst du das Licht von deiner Kamera bitte woanders hinhalten?“. Die Stimme gehört zu einem Mann, der auf den Steinen liegt und einfach in den Himmel blickt. Ich kann sehr gut verstehen, dass der Monitor meiner Kamera ihn stört. Ich lege die Kamera beiseite und auch ich genieße nur noch die Nacht.

Da ist er! Der Mond! Und der Mars!

Irgendwann, als der Mond wieder aus dem Erdschatten herauswandert, brechen wir auf. Diese Idee haben auch die meisten anderen und eine Kolonne von Stirnlampen bewegt sich über die Felsen. Wir bleiben an der Schutzhütte unterhalb der Achtermannshöhe stehen und beobachten, wie die leuchtenden Stirnlampenpunkte im Wald verschwinden. Ein Stückchen Wiese für unser Zelt ist schnell gefunden, das Zelt fast genauso schnell aufgebaut und die neuen Luftmatratzen aufgeblasen. Obwohl es tiefe Nacht ist, umschwirren uns Mücken und anderes Getier. Wir verschwinden im Zelt. Immer wieder sehen wir noch einzelne Lichter an uns vorbeigehen. Die letzten Menschen verlassen den Achtermann. Bobby schickt ihnen jedes Mal ein „Wuff“ hinterher. Und dann schläft auch er – mitten im Harz um uns herum nichts als Natur.

Gute Nacht in den Bergen!

Guten Morgen im Harz nach einer kurzen Nacht

Als ich die Augen aufschlage, sehe ich, dass Wolfgang auch schon wach ist. „Aufstehen?“, fragt er, was mich wundert. Er ist eher ein Langschläfer. „Ist ganz schön hart hier.“ Seine Luftmatratze hatte in der ersten Nacht den Geist aufgegeben. Meine ist immer noch prall gefüllt und ich hatte gut geschlafen. Als ich das Zelt öffne, sehe ich die Sonne hinter den Bäumen aufgehen. Wir packen zusammen und besteigen erneut den Achtermann. Diesmal sind wir ganz alleine. Die Sonne steht mittlerweile schon etwas höher über dem Brocken. Der Ausblick von der Achtermannshöhe ist einfach zu jeder Tages- und Nachtzeit wunderschön.

Um uns herum nur Natur und der Sonnenaufgang
Morgens allein auf dem Achtermann
Der Brocken erwacht.

Wieder gehen wir nicht den direkten Weg nach Oderbrück zurück. Unsere geplante Route führt durch das Hochmoor entlang der großen Bode und über die Aussichtsplattform Bodebruch. Bereits jetzt, am frühen Morgen schwitzen wir. Der Tag wird wieder sehr heiß werden.

Auf geht’s in den Morgen hinein.
Teilweise führt der Weg über Holzplanken.
Von der Aussichtsplattform Bodebruch hat man einen guten Blick auf das Hochmoor.
Abwechslungsreich und tatsächlich sehr gut ausgeschildert sind in dieser Gegend die Wege. Vielleicht weil es hier auch zum Brocken rauf geht?

Um halb 10 erreichen wir unser Auto auf dem Parkplatz Oderbrück. So früh hatte ich noch nie eine immerhin gut sechs Kilometer lange Wanderung hinter mir.

Torfhaus liegt auf dem Heimweg und wir steuern ausnahmsweise mal diese Ortschaft mit Raststättencharakter an. Die Bavaria Alm bietet am Wochenende Frühstücksbuffet an und wir schlagen kräftig zu. Schließlich hatten wir schon einiges geschafft heute. Anschließend besichtigen wir noch das Umfeld. Ich finde Torfhaus mit seiner Ansammlung von Almhütten und Fastfoodgastronomien direkt an der „Harzautobahn“ B4 einfach nur hässlich. Aber die gute Verkehrsanbindung zieht die Menschen scharenweise hierher. Als die ersten Motorradkolonnen eintreffen, fahren wir ab.

Zu Hause angekommen grummelt es in der Ferne. Kurze Zeit später blitzt und donnert es. Es schüttet wie aus Eimern. Der langersehnte Regen ist da, genau zum richtigen Zeitpunkt. Manchmal passt einfach alles.

Kleiner Aufreger in Torfhaus: Bobbys erste Wolfsbegegnung

Zum Nachwandern: Über den Kaiserweg und Hochmoor zur 360-Grad Rundumsicht auf die Achtermannshöhe

Der Achtermann (oder auch Achtermannshöhe genannt), mit 925 Höhenmetern der vierthöchste Gipfel im Harz, ist auf vielen Wegen zu erreichen. Ich mag die Variante von Oderbrück über den Kaiserweg besonders gerne. Auch den Rückweg über die Hochmoore fand ich sehr abwechslungsreich.

Meine Komoot-Planung der Tour findet ihr hier.

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Silvana sagt:

    Bei uns in Osterode an der Eulenburg blieb der Mond versteckt hinter den Wolken. Wir haben das Spektakel verpasst. Allerdings waren wir auch schon gedanklich beim Packen und der Heimfahrt, da es am nächsten Tag nach Hause ging, sodass wir nach keinem anderen Ort gesucht haben, um den Mond zu sehen.

    Schön fand ich es, dass es mit unserem Treffen geklappt hat. Das war total super, dass du dich auf den Weg nach Bad Grund gemacht hast. Und dass unsere Jungs sich gar nicht so übel fanden, hat mir Spaß gemacht.

    Ich hoffe, dass ihr eine Lösung für die defekte Luftmatratze findet. Aber sonst war eure Trekking-Feuertaufe doch schon vielversprechend.

    Liebe Grüße
    Silvana

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    1. Ich denke, man muss dieses „Jahrhundertereignis“ nicht unbedingt gesehen haben. Das schönste daran war eigentlich, nachts in den Bergen auf einem Gipfel zu sein. Ohne der Mondfinsternis hätten wir aber bestimmt nicht so lange dort oben verbracht. Sollte man öfter einfach mal machen 🙂
      Ich fand unser Treffen im Harz auch klasse, obwohl meine Ortskenntnis zu wünschen übrig lies und die Hundefreundlichkeit der Wanderung wegen ausgetrockneter Wasserstellen auch eher mangelhaft war 😉 Aber es hat richtig viel Spaß mit euch gemacht und unsere Hunde haben sich prima „toleriert“, finde ich.

      Liebe Grüße auch an Cabo und die „Fluchtzwerge“ von Andrea

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  2. Hat Bobby da einen eigenen Rucksack auf? Das ist ja allerliebst! Ich freue mich jedes Mal, wenn ich einen neuen Beitrag von euch entdecke. Sooo schöne Fotos und das Hundemodel – hach, ich bin hin und weg. Liebe Grüße, Anja

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    1. Vielen Dank liebe Anja für deinen Kommentar und dein Kompliment für meine Fotos. Das freut mich wirklich sehr. Ja, Bobby musste zwei der sechs Liter Wasser selbst tragen. Unsere Rucksäcke waren einfach randvoll. Da gibt es bestimmt noch Optimierungsmöglichkeiten. Aber als Teil des Teams, kann er ruhig ein wenig tragen. Und außerdem finde ich auch, dass ihm der Rucksack richtig gut steht 😘. Liebe Grüße von Andrea

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  3. Kraulquappe sagt:

    Spitzenbilder, liebe Andrea!
    Wie das Sonnenuntergangs-Rot von Bobbys Löckchen aufgefangen wird, einfach super!
    Und ein Stück Heimat gab’s ja auch bei der ganzen Tour ;-), kaum zu fassen, dass sie mitten im Harz ein Lokal „Bavaria“ nennen.
    Eine neugierige Nachfrage hätte ich dann auch noch: Wie geht ihr mit den Viechern um, habt ihr Mückenspray dabei oder Moskitonetze vor dem Zelt? Als krasse Allergikerin, die allerdings durchaus mit solchen Bergnächten (samt Hund) liegäugelt, interessiert mich der Aspekt besonders…
    Herzliche Grüße aus München bei 30 Grad von Natascha & Pippa.

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    1. Danke liebe Natascha! Und schön, dass dir das Detail mit den Locken im Sonnenuntergangslicht aufgefallen ist. Gefällt mir auch besonders gut. Du wirst es kaum glauben, aber die Bavaria Alm ist nicht das einzige Lokal im Harz, dass auf bayerische Gemütlichkeit setzt. Und erstaunlicherweise sind das auch die Lokale, die von Qualität, Service und Einrichtung zu den empfehlenswerteren gehören. Nun ja, aber das Phänomen gibt es ja weltweit. Es ist schon lustig, wo sich überall in Lederhose und Dirndl gezwängt wird 😉
      Und zu deiner Nachfrage bezüglich Mücken und Co: Ich habe eigentlich immer Autan dabei. Und wenn man das Innenzelt dicht hält, dann bleibt lästiges Viehzeug draußen.
      Liebe Grüße aus Braunschweig (heute soll es bis 40 Grad raufgehen) von Andrea und Bobby

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