Cornwall macht glücklich!

Einen ganz kurzen Augenblick waren wir enttäuscht über die Wahl des Ortes, in dem wir für die nächste Woche ein kleines Ferienhaus gebucht hatten. Nach unserer dreitägigen Wanderung mit Zelt und Hund auf dem South West Coast Path von Bude nach Tintagel waren wir überzeugt davon, den schönsten Küstenabschnitt von Cornwall bereits gesehen zu haben. Die raue, einsame und spektakuläre Nordküste hatte uns schwer begeistert. Bevor wir unsere Häuschen in St. Agnes bezogen, machten wir für eine Nacht Zwischenstation im wunderschönen Port Isaac. Ab diesem Zeitpunkt bekam ich eine Ahnung davon, dass Cornwall stets steigerungsfähig bleibt.

Cornwall: Hunde willkommen!

Mitten drin, ganz nah am Hafen von Port Isaac befand sich das winzig kleine Bed and Breakfast „The Gallery“, zwei Zimmer über der Galerie des Vermieters. Es war Sonntag und ein buntes Treiben bei bestem Wetter umgab uns. Ein bezauberndes Örtchen ist dieses Port Isaac. Und erneut stand Bobby im Mittelpunkt. Labradoodle als Rasse ist in England bekannt und beliebt. Die meisten sind allerdings etwas kleiner als Bobby und die Farbe braun ist auch eher selten. So erntete er Anerkennung wegen seiner Größe („Oh, what a lovely big dog!“) und Farbe („And such beautiful brown eyes!“) Eine Frau kriegte sich kaum, ein vor Zuneigungsbekundungen. Und Bobby, der normalerweise fremden Menschen gegenüber eher skeptisch ist, schien dies zu gefallen. Er ließ sich streicheln und liebkosen und konnte gar nicht genug davon bekommen. Für Bobby war längst klar: Cornwall macht glücklich!

So kann der Tag beginnen: Blick auf Port Isaac aus unserem Zimmer
Morgenstimmung in Port Isaac
Ein neuer Tag beginnt im wunderschönen Cornwall.

Cornwall: Bergbau und Rosamunde Pilcher

Als wir am nächsten Tag noch etwas weiter südlich in St. Agnes ankamen, war der Himmel bedeckt und die engen Gassen mit den für die Gegend typischen grauen Steinhäusern wirkten im Vergleich zu dem fast mediterran anmutenden Port Isaac kühl und abweisend. Keine Galerien, keine hippen Bars und Cafes, keine flanierenden Menschen. Wir befanden uns in einer ganz normalen Ortschaft mit Pub, Fleischerei, Gemüsehändler, kleinem Supermarkt und einem Fish and Chips Shop, die uns in der folgenden Woche so was von ans Herz wachsen sollte, wie wir uns das im ersten Moment gar nicht vorstellen konnten.

Auch in St. Agnes muss man als Fußgänger nicht an der Straße entlang gehen. Auf dem Weg zum Meer dauerte es nicht lange, da trafen wir auf ein Schild: „Public Footpath“. Die gibt es in Cornwall überall, hier an der Küste ist es immer wieder der South West Coast Path. Bei St. Agnes ist der Ozean weit und auf den steilen Klippen stehen markant alte Gemäuer mit Schornsteinen. St. Agnes war im 19. Jahrhundert eines der Bergbauzentren in England. Erst 1998 wurde die letzte Mine geschlossen. Heute ist die ehemalige Industrielandschaft nicht nur Welterbestätte, sondern die Gegend erntet durch die britische Fernsehserie „The Poldarks“ zumindest nationalen Ruhm. Viele Touristen besuchen die wild-romantische Kulisse, vor der der Serienheld immer wieder auf seinem Pferd mit fliegender Mähne hoch oben über dem Meer dahinreitet. Kaum vorstellbar wegen der unglaublichen Schönheit der Landschaft: Cornwall ist seit dem Niedergang des Bergbaus die ärmste Region Großbritanniens.

Weit reicht der Blick am St. Agnes Head.
Die letzten Minen in Cornwall sind vor etwa 20 Jahren geschlossen worden.
Filmkulisse für die Poldarks – und natürlich auch Rosamunde Pilcher 😉

Cornwall entdecken: Alles easy!

Unser kleines Häuschen in St. Agnes war für die folgende Woche Ausgangspunkt, um Cornwall zu erkunden. Die Straßen in Südengland sind schmal. Zwischen den hohen Hecken, die sich immer wieder zu Tunneln über einem schließen, ist oft nur Platz für eine Fahrspur. Man ist langsam unterwegs. Aber St. Agnes liegt so ideal, dass wir nie länger als eine Stunde unterwegs waren. Unser Reiseführer diente als Inspirationsquelle für unsere Ausflüge, den Wanderführer hätten wir uns sparen können. An allen Orten, die wir besuchten, gab es einen großen (kostenpflichtigen) Parkplatz (immer mit öffentlichen Toiletten) und große Schautafeln mit Prospekten, auf denen die Wandermöglichkeiten erläutert und abgebildet waren. Diese Wanderparkplätze werden in der Regel vom National Trust betrieben, einer gemeinnützigen Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Natur und Kultur Englands zu erhalten und den Menschen zugänglich zu machen. Einfach losgehen und genießen, das ist Cornwall!

Auf dem Küstenwanderweg ist verlaufen kaum möglich.

Rundreise durch Cornwall: Schön, schöner, am schönsten!

Die ausgewiesenen Highlights wie Lends End, das Künstlerstädtchen St. Ives, welches eine Tate Gallery beherbergt oder Fowey an der „Cornischen Riviera“ haben wir gar nicht besucht. In der kurzen Zeit mussten wir eine Auswahl treffen. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich allerdings das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Egal, was wir unternahmen, wir kamen stets voll auf unsere Kosten. Cornwall ist einfach wunderschön. Aber schaut selbst:

Lizard Point und Kynance Cove: Naturgewalten am südlichsten Punkt Englands

Bobby blickt von der Lizard Halbinsel auf die Kynance Cove.
Naturgewalten bei einem Cornish Pastie im Cynance Cove Cafe
Auf dem Weg von der Kynance Cove zum Lizard Point, dem südlichsten Punkt Englands.
Bei einer Tasse Kaffee …
… verziehen sich die dunklen Wolken.
Und plötzlich strahlt der Himmel …
… am Lizard Point.

Bedruthan Steps: Bei Flut können nur Riesen über den Strand laufen.

Auf dem Weg zu den Bedruthan Steps
Einfach zum genießen!
Nur bei Ebbe ist der Strand zugänglich.
Alles sah so harmlos aus …
… aber dann kam die Flut!
Bald ist Flut und der Strand verschwunden, dann kann nur Bedruthan, der Riese, über die Felsen den Strand überqueren.

St. Agnes in Cornwall: Surfen, dog-friendly Pup, Fish and Chips und die Poldarks.

St. Agnes wurde in dieser einen Woche zu unserem zu Hause. Bei Regen besuchten wir das Pub, in dem Hunde herzlich willkommen waren. Sonntags versammelte man sich hier zum gemeinschaftlichen Rugby schauen. Bei einem IPA (Indian Pale Ale) verfolgten auch wir gebannt dieses schnelle und spannende Spiel. Am Wochenende ab 17 Uhr hatte der Fish and Chips Shop auf. Gefühlt das ganze Dorf aß am Freitagabend Fish and Chips. Alles wurde frisch zubereitet. Die Wartezeit vertrieb man sich mit der Wartenummer in der Hand bei einem Pläuschchen mit dem Nachbarn, bis einem das dampfende Paket übergeben wurde.

Wir genossen die Spaziergänge über die Steilküste bis an Meer. Wenn es stürmte, füllte sich am Nachmittag die schmale Bucht von St. Agnes. Dann fuhren Autos vor. Schnell wurde vom Business- in den Neoprenanzug gesprungen und mit dem Surfbrett unter dem Arm ging es im Laufschritt ins Meer. Wir saßen dann solange im Cafe oberhalb des Strandes und schlürften unseren Tee, bis Bobby zu viel hatte von den tanzenden, schwarzen Punkten in den Wellen und sich lauthals beschwerte. Dann brachen wir auf und spazierten über die Klippen wieder nach Hause, kuschelten uns ein und schauten eine weitere Folge von den „Poldarks“, die vor unserer Haustür hier in St. Agnes gedreht wurde. Von Cornwall kann man nie genug kriegen!

Am Strand von St. Agnes …
… ist bei Wellengang einiges los.
Cornwall macht einfach glücklich!

Zum Weiterlesen: Noch mehr Cornwall auf meinem Blog

South West Coast Path mit Hund und wer hatte eigentlich die Idee mit dem Zelt?

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Silvana sagt:

    Eine traumhaft schöne Reise habt ihr hinter euch. Die Ohs und Ahs beim Lesen und Fotos gucken waren bei jedem deiner Beiträge noch steigerungsfahig. Ich hoffe, dass dieser Urlaub sehr lange in eurer Erinnerung bleibt und ihr lange davon zehren könnt. Danke fürs Mitnehmen.

    Herzliche Grüße
    Silvana

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Silvana, danke für deinen Kommentar. Und ich freue mich, dass durch meine Beiträge anscheinend genau das rüber kam, was ich empfunden habe: Cornwall war immer steigerungsfähig 🙂 Wir zehren auf jeden Fall noch länger davon … bis zum nächsten Urlaub auf der Insel!
      Liebe Grüße von Andrea

      Gefällt mir

  2. Stefanie sagt:

    Ich bin begeister. Cornwall habe ich mir immer viel lieblicher vorgestellt – aber Deine Bilder zeigen genau die Rauheit, die mir am besten gefällt. Echt wunderschön. Liebe Grüße, Stefanie

    Gefällt 1 Person

    1. Ich war auch überrascht. Ich hatte mir die Küste auch nicht so rau vorgestellt. Auch das Wandern auf dem South West Coast Path war anstrengender als erwartet 😉 Aber die Stimmung kann sich von einem Moment auf den anderen ändern. Wenn die Sonne rauskommt und der Wind nachlässt, schimmert das Meer türkisgrün, fast „karibisch“ (so steht es in den Reiseführern, aber stimmt auch irgendwie).
      Liebe Grüße von Andrea

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  3. Dann würde dir die Bretagne auch sehr gut gefallen. Demnächst berichte ich weiter über unseren Trip durch durch diese wunderschöne Region. Zur Zeit ist einfach das Wetter zu gut. Noch sind Radtouren angesagt statt Bloggeschichten am Laptop 😀

    Gefällt 1 Person

  4. Petra sagt:

    Hallo, auch wir waren dieses Jahr mit unserem Labradoodle in Cornwall und ich fühle mich durch deine Berichte wieder in unseren Urlaub zurück versetzt! Du hast Recht, es ist traumhaft und jeder Tag ist ein Erlebniss. Auch für uns war es bestimmt nicht der letzte Urlaub auf der Insel!

    Gefällt 1 Person

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