Manche Dinge mag Bobby gar nicht. Dazu gehört unter anderem wenn Menschen komische Dinge veranstalten wie springen, hüpfen, Skateboard fahren oder auf Bäume und Felsen klettern. Wenn das dann noch jemand aus dem eigenen Rudel macht, ist sein Unmut besonders groß. Wir sind auf Familienbesuch in Salzburg. Wolfgang, sein Sohn Max, Bobby und ich sind im Berchtesgadener Land unterwegs. Hier im Zauberwald am Ufer des Hintersees führen kleine Pfade durch Felsen und knorrige Bäume, umspült von glasklarem, türkisem Wasser. Der Hauptweg führt etwas oberhalb entlang. Aber hier unten ist es viel schöner. Max mit seinen fast 20 Jahren klettert, balanciert und springt über die Felsen. Hier wird man wieder zum Kind. Herrlich. Und Bobby schimpft was das Zeug hält. Manchmal ist Bobby halt ein echter Spielverderber!

Salzburg – immer einen Besuch wert

Fast fünf Jahre habe ich in Salzburg gelebt. Dann sind Wolfgang und ich nach Norddeutschland gezogen. Ich bin nie wirklich warm geworden mit den Menschen und der Mentalität. Hier schien die Welt zu eng für meinen freien Geist. Dann ergab sich eine berufliche Chance für Wolfgang in Deutschland und so tauschten wir Berge gegen Flachland. Watzmann gegen Brocken. In manchen Orten lässt es sich gut leben. In anderen genießt man es, Tourist zu sein. Aber ganz weg waren wir, besonders Wolfgang, natürlich nicht von Salzburg. Seine Familie ist dort. Und so oft es geht begleite ich Wolfgang auf seinen regelmäßigen Familienbesuchen. Und nun, als Tourist stehe ich immer wieder mit angehaltenem Atem vor der Schönheit der Landschaft und der Natur in dieser Region.

Hintersee – Postkartenmotiv inklusive

Wir sind am Hintersee im Berchtesgadener Land, einen Steinwurf von Salzburg entfernt. Das Wetter zeigt sich unentschlossen. Wolkig? Sonnig? Oder wird es sogar noch ein Gewitter geben? Und gerade diese Uneindeutigkeit zaubert eine besondere Stimmung in den Zauberwald am Rande des Hintersees bei Ramsau. Etliche Touristen (-busse) sind auch schon unterwegs. Na klar, was für ein schöner Ort!

Wir verlassen den See und machen uns auf zu einer kleinen Rundwanderung Richtung Halsalm. Ein deftiger Anstieg führt durch den angenehm schattigen Wald. Hier ist Bobby wieder in seinem Element. Alles hat seine Ordnung. Keiner hat mehr Puste für Sprünge abseits des Weges. Wolfgang geht vorne weg mit Bobby, dicht gefolgt von Max und ich schnaufend hinterher. Ab und zu schaut Bobby sich um, ob ich noch da bin. Für ihn ist die Welt wieder in Ordnung.

Halsalm – eine Bilderbuchalm

Ein Jubel geht durch unsere kleine Wandergruppe, als uns entgegenkommende Wanderer aufmuntern: „Ist nicht mehr weit bis zur Halsalm. Da gibt’s was zu essen und zu trinken!“ Wir dachten, die Alm wäre gar nicht bewirtschaftet. Das sind Überraschungen, wie ich sie liebe.

Das Wetter hat sich stabilisiert. Die Sonne brennt. Die Aussicht ist großartig. Wir genießen die schattige Pause mit Buttermilch und Käse-/Speckbrotzeit. Der kleine Ausschank befindet sich direkt im Stall.

Beim Abstieg auf dem schottrigen Wanderweg darf Bobby vorauslaufen. Das macht uns immer etwas nervös, da wir nicht wissen, wie er auf entgegenkommende Wanderer, Radfahrer oder Hunde reagiert. Von anbellen bis anspringen ist schon alles dabei gewesen. Aber ich übe mich in Vertrauen. Ich versuche seine große Aufmerksamkeit als Kompetenz zu sehen. Er sieht alles, hört alles und riecht alles. Mögliche Gefahren hat er längst wahrgenommen, da latsche ich noch gedankenversunken vor mich hin. Er ist etwa 10 bis 15 Meter vor uns. Da höre ich Stimmen. In einer Kehre steht eine Familie neben dem Weg und macht eine kleine Rast. Bobby registriert die Menschen, verlangsamt, geht auf die Gruppe zu, schaut kurz zu mir. Ich versuche ihm mit all meinen Sinnen zu signalisieren: die sind in Ordnung. Danke, dass du mir Bescheid gesagt hast. Wir können weitergehen! Er dreht ab und folgt weiter dem Weg. Die Familie freut sich über Bobby. Sie grüßen und lachen über seinen kurzen Personencheck. Ich freue mich noch viel mehr. Toll! So muss es sein. Ich bin stolz auf Bobby.

Berchtesgaden – und wo ist eigentlich der Watzmannn?

Die Gegend in Berchtesgaden ist einfach wunderschön. Aber der markanteste Berg, der Watzmann hat sich trotz Sonnenschein auf unserer Wanderung hinter Wolken versteckt. Das wurmte mich ein wenig. So wählte ich am nächsten Tag einen Ort, den ich bis dahin gemieden habe: Obersalzberg. Dort hatte Hitler seinen „Berghof“. Die wunderschöne, „perfekte“ Landschaft als Kulisse sollte ihn für Propagandazwecken ins „rechte“ Licht rücken.

Ja, ich wollte unbedingt noch einen beeindruckenden Blick, ein tolles Foto. Ich gebe es zu. Also fuhr ich an diesen Ort. Ich startete an der Dokumentation Obersalzberg. Wegen Bobby verzichtete ich auf eine Besichtigung und steuerte gleich den Carl von Linde Weg an. Dieser Höhenwanderweg ist ein Spaziergang auf gut sechs Kilometern mit etlichen Einkehrmöglichkeiten. Vielleicht hätte ich mich auch gar nicht für diese Wanderung entschieden, wenn ich nicht in der Tourbeschreibung vom Restaurant „Windbeutelbaron“ gelesen hätte. Da musste ich hin!

Obersalzberg – Watzmann mit Sahne!

Der Weg war eher unspektakulär und führte meist durch den Wald. Dafür, dass sich an dem Dokumentationszentrum die Reisebusse drängelten, traf ich hier nur vereinzelt Menschen. Früher hätte ich solche Orte des vermeintlichen Massentourismus mit Bobby gemieden. Aber ich bin souveräner geworden. Und Bobby hat (vielleicht deswegen?) auch nicht mehr so viel zu meckern. Nach etwa einer Stunde erreichte ich das Ziel meiner Wünsche. Ich ergatterte einen Platz mit Aussicht: der Watzmann irgendwo hinter den Wolken. Egal. Ich wählte aus der Speisekarte den Windbeutel „Watzmann“, allerdings mit halber Portion Sahne. Mächtig und beeindruckend war er trotzdem.

Meist führte der Weg durch den Wald.
Immer wieder kleine Ausblicke – aber der Watzmann liegt in Wolken.
„Watzmann“ mit einer halben Portion Sahne

Der Carl von Linde Weg führt noch weiter. Ich kehrte aber hier um. Es sah nach Gewitter aus. Über den oberen Lindeweg ging ich zurück und entdeckte alte Mauerreste im Wald. Bunkeranlagen? Das Wetter blieb stabil und ich besichtigte wieder am Ausgangspunkt angekommen die Außenanlagen der Dokumentation. Weit oben auf einer Bergspitze kann man den „Adlerhorst“ (heute ein Berggasthof) sehen, ebenfalls ein Überbleibsel des Irrsinns von Hitlers Größenwahnsinn.

„Scheinbar trotzig erhebt sich das Gebäude über der schroffen Steilwand – auch eine Straße in völlig unwegsamem Gelände hatte man dem Berg mit Gewalt abgerungen. Wenngleich eine architektonische Leistung, so war es auch ein Akt der Verschwendung von Natur und Ressourcen. Ein goldglänzender Aufzug inmitten des Berges, durch den man zum „Gipfel der Macht“ gleichsam emporgehoben wurde – all das eignete sich nur zu gut, um Menschen zu blenden.“ (www.kehlsteinhaus.de)

Verwitterte Gemäuer im Wald – ehemalige Bunkeranlagen?
Auf der Bergspitze der „Adlerhorst“, heute Kehlsteinhaus

Kneifelspitze – Was für ein Panorama

Ein Blick und ein Foto vom Watzmann blieb mir an diesem Wochenende vorenthalten. So greife ich in mein Archiv meiner Fotos, um euch eine meiner Lieblingsaussichten zu zeigen: den Blick von der Kneifelspitze.

Die kleine Rundwanderung von Maria Gern in Berchtesgaden führt kurz und steil auf diesen Berg. Oben angekommen wird man mit einer grandiosen Aussicht begrüßt, lecker Jause und Weißbier inklusive. Hallo Watzmann!

Salzburg – der beliebteste Fotopoint und mein persönlicher Geheimtipp

Und was ist eigentlich mit der Stadt Salzburg? Diesmal habe ich mir nur ein Foto abgeholt und zwar an einem der beliebtesten Fotopoints. Hier am Schloss Mirabell ist der Blick auf die Festung Hohensalzburg am schönsten.

Die vielen Touristen sind geschickt hinter dem Blumenstock versteckt -:)

Aber welchen Ort ich in Salzburg wirklich liebe, ist der Aigner Park. Hier gibt es auch eine Hundewiese. Die besuchen wir schon lange nicht mehr. Viel zu viel Stress. Aber der historische Park, der sich dahinter befindet ist einfach nur schön. Wasserfälle, Schluchten, kleine Brücken und schmale Pfade durchziehen dort den Wald. Ein Highlight ist die Stadtaussicht. Für Hunde gibt es nicht nur am Hexenlöchel (einem sogenannten Kraftort) sondern an vielen Stellen tolle Badeplätze. Wenn man möchte, kann man von dort aus auf den Gaisberg (1287 m) laufen.

Ganz in der Nähe gibt es einen Campingplatz. Bestimmt eine sehr gute Adresse, wenn man mit Hund unterwegs ist.

Zum Nachwandern: Salzburg / Berchtesgadener Land

Rundwanderung Berchtesgaden vom Hintersee mit Zauberwald zur Halsalm 

Wanderung Berchtesgaden von der Dokumentation Obersalzberg zum Windbeutelbaron

Rundwanderung Watzmannblick: Kneifelspitze von Maria Gern

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