Am liebsten entdecke ich Neues im Harz. Selten gehen wir die gleiche Wanderung ein zweites Mal. Dass Bobby Harzer Wanderkaiser werden will, ist bestimmt mitverantwortlich dafür. 222 Stempel über den ganzen Harz verteilt gilt es in sein Stempelheft zu drücken. Touren plane ich meistens so, dass auch immer der ein oder andere Stempelkasten auf dem Weg liegt, den wir noch nicht angesteuert haben. So entdecken wir immer neue und überraschend schöne Orte. Manchmal sind die Wanderungen aber auch furchtbar langweilig. Das einzige Highlight bleibt der Stempel im Stempelbuch. Es gibt allerdings auch Gegenden im Harz, an die ich immer wieder zurückkehre. Die Runden, die ich immer wieder drehe. Die Touren, die Garant für einen gelungenen Wandertag sind.

Der Stempelkasten der Harzer Wandernadel mit der Nummer 16 (Ferdinandsstein). Ein wunderschöner Ort abseits der ausgetretenen Wege.

Welche Wanderung hat das Zeug zur Lieblingsrunde?

Welche Wanderungen kommen mir sofort in den Sinn, wenn mich jemand fragt: Hast du mal einen Tipp für den Harz? Es sind die Wanderrouten, bei denen alles passt: abwechslungsreiche Wegführung, sonnige Passagen, Aussichtspunkte mit Fernsicht, moderate Steigung und Wegstrecke (nicht viel mehr als 300 Höhenmeter, etwa 10 km Länge), gute Ausschilderung, bestenfalls (mindestens) eine Einkehrmöglichkeit. Das sind die Wanderungen, die immer funktionieren ohne viel nachzudenken. Die man risikolos jedem empfehlen kann. Die bei jeder Jahreszeit ihren Reiz haben. Die irgendwie nie langweilig werden.

Lieblingsrunden im Harz: oft kein Geheimtipp

Es liegt bei den genannten Kriterien fast auf der Hand, dass diese Runden oftmals kein Geheimtipp sind. Ja, es gibt sie im Harz, die versteckten Orte und Wege. Oft nur unweit der viel begangenen Wege und nicht selten atemberaubend schön, ist man dort ganz alleine unterwegs. Aber es gibt auch andere Orte. Die entdeckt sind. Die erschlossen sind. Die beliebt sind. Die an einem sonnigen Wochenende in den Ferien völlig überlaufen sind. Und manchmal liegt das nicht (nur) daran, dass ein Großparkplatz in der Nähe ist, sondern weil es dort einfach ebenfalls wunderschön ist.

Geheimtipp Höllenstieg: Der einsame Weg auf den Brocken ist nicht zu jeder Jahreszeit und für Jedermann zu empfehlen.

Lieblingsrunde im Harz: Die Okerklippen

Es war ein Montag. Es war der erste Tag nach den Weihnachtsferien und die Wetterprognose sagte 7 Stunden Sonne im Harz voraus. Ich ließ alles stehen und liegen. Ich musste in den Harz. Nach gefühlten Monaten grau in grau wollte ich auf Nummer Sicher gehen. Der ideale Zeitpunkt für eine meiner Lieblingsrunden war gekommen. Die Wahl fiel auf die kleine Rundwanderung zu den Okerklippen. Bereits bei der Anreise durch das schmale Okertal ragen rechts und links die beeindruckenden Felsformationen der Okerklippen aus dem Wald. Auf den Parkplätzen kann man sogar im Winter Autos mit Kanus auf dem Dach sehen. Die Oker in diesem wilden, tiefen Tal ist ein beliebter Ort für Wildwasserfahrten.

Ausgangspunkt der Wanderung ist der Ort Romkerhalle, als „kleinestes Königreich der Welt“ eine echte Kuriosität. Dieser Ort, bestehend aus einem Hotel mit Gastwirtschaft wurde wohl bei einer Gebietsreform „vergessen“. Der Besitzer rief in den 80er Jahren das gemeindefreie Gebiet als „kleinstes Königreich der Welt“ aus.

Romkerhaller Wasserfall: 70 Meter hoch, im 19. Jahrhundert künstlich angelegt. Da oben sind die Okerklippen.

Der ausgeschilderte Weg führt erst mal recht steil durch den Wald. Bei dieser Wanderung bewältigt man den Großteil der knapp 300 Höhenmeter am Anfang.

Oben angelangt erwartete uns Sonne satt an der Feigenbaumklippe.
Bobby will immer ganz nach oben. Schnee und Eis können ihn nicht aufhalten.
Ich schlittere hinterher und wir werden belohnt: Was für ein Ausblick!

Ich ließ aufgrund der total vereisten Wege die Felsformationen Mausefalle und Hexenküche an diesem Tag mal rechts liegen und wanderte weiter, immer der Ausschilderung Kästeklippe folgend. Auch das Kästehaus fand an diesem herrlichen Sonnentag keine Beachtung von uns. (Im Nachhinein habe ich gehört, dass es sowieso dauerhaft geschlossen sein soll.)

Zur Gaststätte Kästehaus fährt sogar ein Bus. Man kann sich vorstellen, was an anderen Tagen hier los ist. Heute sind wir ganz alleine.
An der Kästeklippe zog es eisig, Im Schnee waren nur einzelne Spuren zu sehen. Bobby ließ sich davon nicht abhalten, seinen Aussichtspunkt zu finden.

Weiter geht es Richtung Treppenstein. Man kann den Forstweg Kästestraße entlanggehen. Ich mag einfach keine Forstwege und wählte den „sehr steilen Pfad“ durch den Wald.

Hier musste ich teilweise auf dem Hosenboden den vereisten Weg herunterrutschen. Außer Bobby hat zum Glück keiner dieses Spektakel mit angesehen.
Am Ende des dunklen Waldes erwartete uns der Treppenstein.
Sonne genießen …
… und natürlich von ganz oben die Aussicht.
Der Blick in die andere Richtung ist auch schön.
Dann hatten wir uns eine kleine Pause verdient.
Von hier aus geht es schon wieder zurück, zunächst auf breiteren Forstwegen. …
… die aber bei diesen Witterungsbedingungen auch ihre Vorteile haben. Ich konnte ganz normal auf zwei Beinen gehen 😉
Nach knapp 6 Kilometern sind wieder oberhalb des Wasserfalles angekommen. Da unten liegt das „kleinste Königreich der Welt“.

Unweit des Wassefalls führt ein steiler Zickzackweg durch den Wald nach unten. Keinen einzigen Menschen habe ich an diesem Montagmorgen Anfang Januar auf dieser tollen Runde getroffen. Am nächsten Tag regnete es und das Einheitsgrau zog sich wieder über die Landschaft. Wie gut dass wir diesen Tag genutzt haben! Und die kleine Rundwanderung an den Klippen der Oker ist spätestens an diesem Tag zu eine meiner Lieblingsrunden im Harz geworden.

Zum Nachwandern: Okerklippen (Lieblingsrunden im Harz)

Die Tour ist unter anderem in den Wanderführern Mystische Pfade im Harz (Anne Christine Martin und Stefan Feldhoff) und Wandertouren für Langschläfer (Richard Goedecke) beschrieben.

Hier könnt ihr meine Tour auf Komoot anschauen: Okerklippen (Lieblingsrunden im Harz)

Wer es garantiert einsam haben möchte, dem empfehle ich auf der gegenüberliegenden Seite des Okertals die Runde um den Kahberg mit schönen Blicken auf die Felsformationen der Okerklippen. Die Tourbeschreibung mit anschließendem Stadtbesuch in Goslar gibt es hier nachzulesen: Okertal und Goslar mit Hund – im Wechselbad der Gefühle

Noch mehr Lieblingsrunden im Harz auf meinem Blog

Ich könnte mir vorstellen, ein kleine Blogserie mit meinen Lieblingsrunden zu starten. Ein paar Wanderungen, die es in diese Serie schaffen würden, habe ich hier sogar schon beschrieben.

Wandertipp für Bad Harzburg: Eine Runde Bad Harzburg geht immer

Wandertipp für den Westharz: Auf der Suche nach dem goldenen Herbst – Arboretum WeltWald im Harz

Wandertipp für das Oberharzer Wasserregal: Winterwandern an der Hutthaler Widerwaage

Wandertipp für Blankenburg: Ich will doch nur spielen… am Fuße der Teufelsmauer

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