Es ist ein Tag im Dezember, der sich bisher im typischen grau in grau des niedersächsischen Winters präsentierte. Meine Gedanken kreisen schon beim Aufstehen (ich gebe zu, auch schon davor) um scheinbar unlösbare Aufgaben des anstehenden Arbeitstages. Im Hinterkopf die unerledigte Post in der Ablage und die vor mir hergeschobenen Telefonate, schnappe ich mir Bobbys Leine. Es dämmert gerade als wir unsere tägliche Morgenrunde starten.

Bobby schnüffelte sich fest. Ich will weitergehen. Er scheint wie festgenagelt an dieser einen Stelle. Ich werde ungehalten und zerre an der Leine. Herausgerissen aus seiner Welt, schaut er mich verständnislos an. Ich drehe mich reflexartig um, da mir dieser Blick so unangenehm ist und ich nicht will, dass er mir gilt. Ich fühle mich ertappt. Ich schaue zu der Stelle, die gerade Bobbys ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Ich sehe Nichts. Etwas verlegen blicke ich nach oben in den Himmel. Die Sonne hinter den Wolken, noch nicht ganz aufgegangen, wird sich heute den ganzen Tag wieder nicht zeigen.

Grau in grau. Hier im Harz hat diese Stimmung durchaus seinen Reiz.

Plötzlich höre ich Gekreische und Gezeter. Ich sehe, wie sich im noch fast nächtlichen Himmel ein riesiger Vogelschwarm formiert. Sammelt sich der Schwarm für die Reise gen Süden? Oder kommen die Vögel schon wieder zurück? Ist der Dezember da nicht der ganz falsche Monat für beide der Möglichkeiten? Ich beobachte die verschiedenen Figuren, die der Schwarm aufgeregt und doch so harmonisch am Himmel bildet. Ich spüre, wie meine Augen feucht werden. Ich versuche erst gar nicht den kalten Wind dafür verantwortlich zu machen. Der Vogelschwarm verschwindet hinter den hohen Bäumen am Horizont.

Mein Blick geht zu Bobby, der ein paar Meter entfernt auf dem Weg sitzt und mich anschaut. Diesmal drehe ich mich nicht weg. Wir setzten den Spaziergang gemeinsam fort. Mit dem Vogelschwarm sind auch meine sorgenvollen Gedanken weiter gezogen.

Jahresrückblick 2017: Zwölf mal den Moment genießen

Dieser Morgen ist nun schon ein paar Tage her. Aber der Vogelschwarm hoch oben am Himmel hat mich zum Nachdenken gebracht. Es braucht nur einen kleinen Moment, um die Schönheit des Lebens zu erfassen und dem Tag einen Sinn zu geben. Es gibt keine Verpflichtung der Welt, die für diesen kurzen Augenblick nicht warten kann.

Das Jahr ist verflogen. Viele Vorhaben sind auf der Strecke geblieben. Schnell bin ich selbstkritisch mit meinem Urteil, dass ich die Zeit nicht optimal genutzt habe und hoffe im nächsten Jahr auf Besserung. Doch Stopp. Ich halte inne. Da gab es doch die großen und kleinen Momente, in denen der Augenblick unendlich schien und Zeit keine Rolle spielte.

(Ein Klick auf die Fotos bringt dich zum Artikel)

Januar 2017: Der Blick vom Dach Norddeutschlands

Brocken im Winter – Yes we did!

Auf dem höchsten Berg Norddeutschlands herrscht das ganze Jahr über Hochgebirsklima. Als wir im Januar bei Schnee und Eis den Gipfel des Brockens erreichen, pfeift der Wind und es ist eisig kalt. Das Brockenplateau scheint im Himmel zu schweben. Man blickt in die schier endlose Weite, der Sonne ein Stück näher als sonst. Für einen Moment bleibt die Welt stehen. Ein Tuten unterbricht die Stille, die Brockenbahn. Und schon sieht man sie den Berg hinaufdampfen, sich durch den Schnee kämpfen. Eine Besteigung des Brockens im Schnee garantiert auf jeden Fall ein besonderes Erlebnis.

Februar 2017: Ein Moment Frühling an der Teufelsmauer

Burgen, Schlösser und Teufelswerk – Frühling im Harzvorland

Und wieder geht es in den Harz für den besonderen Moment im Februar. Im Nördostlichen Harzvorland, das ich auch gerne die Toskana des Nordens nenne, scheint immer ein wenig mehr die Sonne. An der spektakulären Teufelsmauer bei Weddersleben habe ich bereits im Februar den Frühling gesehen und für einen Moment tatsächlich geglaubt, dass der Winter vorbei ist.

März 2017: Bobby und sein Augenblick der Freude am Meer

Laufsteg Timmendorfer Strand und mal wieder: Bobby und das Meer

Wir lieben das Meer und Bobby hat seit jeher seine Schwierigkeiten damit. Übernervös, auf jeden Reiz reagierend, kläffend und allem was sich bewegt unkontrolliert hinterherjagend, tragen Strandspaziergänge am Strand in der Regel nicht zur allgemeinen Entspannung bei. Aber wir geben nicht auf und im März sind die Bedingungen an der Ostsee ideal. Kaum ein Mensch und kein Hund am weiten Strand von Scharbeutz siegte an einem sonnigen Vormittag bei Bobby die Freude über sein Bedürfnis nach Kontrolle. Er spielte ausgelassen mit den Wellen und er genoss diesen Augenblick am Meer.

April 2017: 11 mal Harz. 11 mal besondere Wandermomente.

Meine 11 persönlichen Wanderhighlights im Harz

Im April kam die Nominierung von Carolin von Berg- und Flachlandabenteuer zum Liebster Award: 11 Fragen hat sie mir gestellt, die mit 11 Fotos beantwortet werden sollten. Eine tolle Möglichkeit, sich an 11 besondere Wandermomente zu erinnern.

Mai 2017: Die Frage nach Heimat (Blogparade)

… Und ich merke wie schwer es mir fällt, Bobby so zu nehmen wie er ist. Dinge zu akzeptieren. Einfach da sein. Keine Fragen stellen. Sicher sein. Heimat sein. Das fordert Bobby von mir. Das lehrt er mir. Und ich lerne von ihm. … (Anwolf)

Heimatorte (Blogparade)

Im April rief ich zu meiner ersten Blogparade auf. Solange ich denken kann, trieb es mich weg von zu Hause, raus in die Welt. Auf der Suche nach Heimat? Welches sind die Orte, die Momente, die Personen, die das Gefühl von Heimat in mir auslösen? Über dreißig Blogger habe wunderschöne Geschichten über ihre ganz persönliche Heimat dazu geschrieben. Jeder dieser Berichte ist wie ein Geschenk und Inspiration zugleich.

Juni 2017: Barfuß durch die polnische Sahara

Roadtrip Polen mit Hund: Vergiss alles, was du bisher über Polen gedacht hast!

Im Juni starteten wir auf unsere erste Wohnmobilreise. Viele Fragen haben unsere Vorbereitungen begleitet. Einige blieben bis zur Abreise offen. Die 14-tägige Reise war zu kurz, um überall so lange zu bleiben, wie wir gewollt hätten. Aber es gab sie, die Momente, in denen ich nicht ans Weiterfahren dachte und nur das Hier und Jetzt genoss. Der Abend, als wir ganz alleine barfuß durch die Sahara von Polen liefen, war einer dieser Momente.

Juli 2017: Salzburg und die Entscheidung fällt schwer.

3 Tage in Salzburg: Watzmann mit halber Sahne, Spielverderber im Zauberwald und ein Geheimtipp

Im Juli waren wir mal wieder in Salzburg, Wolfgangs Heimat und für 5 Jahre auch mein zu Hause. Die Bergwelt ist spektakulär und man kann sich gar nicht entscheiden, wo es am schönsten ist.

August 2017: Der Harz und wo alles begann.

Ein Wochenende im Harz – meine Lieblingsklippen und Brocken inklusive

Im August verbrachten wir ein Wochenende in Schierke. Von hier aus bestiegen wir vor gut zwei Jahren den Brocken und ich schrieb daraufhin meinen ersten Artikel über den Harz. Der Grundstein meiner Liebe zu diesem Mittelgebirge war gelegt. Nach wie vor gehört der Hohnekamm, eine mit Felsen durchzogene Heidelandschaft oberhalb von Schierke mit Blick auf den Brocken zu meinen absoluten Lieblingsgegenden im Harz.

September 2017: Wenn man etwas sucht und was anderes findet.

Mikroabenteuer: Gefunden in Harz und Heide.

Ein kleine Büchlein namens „Blütenwanderungen“ schickt mich nicht nur während der Heideblüte im September auf die Suche nach Blüten. Die Wegbeschreibungen sind spärlich und die Blütezeiten ungewiss. So finde ich oft nicht das, was ich gesucht habe, manchmal weiß ich gar nicht mehr, was ich finden wollte. Aber meistens erlebe ich kleine Abenteuer. Die besonderen Momente finden sich häufig dort, wo man es am wenigsten erwartet.

Oktober 2017: Zeltnächte sind hart und kalt aber etwas ganz Besonderes.

Reisefieber oder Bobby und Frauchen alleine zu Hause

Wenn ein freies Wochenende ansteht und man vergessen hat etwas zu planen, kommt man mitunter auf verrückte Ideen. Dass es in einer Oktobernacht im Zelt empfindlich kalt werden kann, daran habe ich allerdings nicht gedacht. Bobby und ich haben durchgehalten und hatten dabei einen riesen Spaß.

November 2017: Enttäuschte Erwartungen und die Entdeckung eines Traumlandes

Goldener Herbst im Nationalpark Plitvicer Seen: Willkommen im Traumland!

Anfang November ging es für eine Woche nach Kroatien. Die Nationalparks Krka Wasserfälle und Plitvicer Seen, ein lang ersehnter Reisetraum von mir, standen auf dem Programm. Und wie es manchmal so ist, wenn die Erwartungen zu groß sind. Man wird enttäuscht. Die Krka Wasserfälle sahen nicht so toll aus wie auf den Fotos und die touristische Infrastruktur war mir zu rummelig. Ich zwang mich, meine Erwartungen herunter zu schrauben und den Kroatienurlaub fernab von diesen vermeintlichen Hotspots zu genießen. Fast hätte ich auf den Besuch der Plitvicer Seen verzichtet. Wie gut, dass wir uns doch noch aufgerafft haben. Ich war vom ersten bis zum letzten Moment wahrlich geflasht von der Schönheit der Natur dieses wirklich spektakulären Nationalparks.

Dezember 2017 und der besondere Moment ist überall.

Ja, nun sind wir angekommen im grauen, niedersächsischen Dezember. Bobby hat mich daran erinnert, dass es manchmal schon reicht, einfach stehen zu bleiben und innezuhalten. Ich mache das jetzt immer wieder während unserer täglichen Spaziergänge. Ich blicke in Nachbars Gärten, in die beleuchteten Büros, manchmal schaue ich auch durch Löcher in einer Hecke oder blicke einfach gen Himmel. Manche Leute schauen mich verwundert an. Andere gucken in die gleiche Richtung und fragen sich wahrscheinlich, ob da irgendetwas Besonderes ist. Auch Bobby schaut mich an und wartet geduldig bis ich fertig bin. Dann gehen wir weiter. Am nächsten Schnüffelplatz warte ich genauso geduldig auf ihn. Die großen Highlights habe ich zwar dabei noch nicht entdeckt. Aber ich finde zur Ruhe und sammele Kraft. Das macht die Momente doch auch irgendwie besonders, oder? Der besondere Moment ist dort, wo du ihn findest.

Ich möchte im neuen Jahr versuchen, den Augenblick mehr zu würdigen und mir bewusst kleine Auszeiten im Alltag schaffen. Aber es braucht auch Platz für die etwas größeren (Reise-)Pläne, die es ebenso wieder geben wird. Nun wünsche ich einen gesunden Rutsch ins neue Jahr und viel Zuversicht für 2018! Wir werden uns mit Bobby und unserem Kater Jimi mit heruntergelassenen Rollos vor dem Silvester-Wahnsinn verstecken und lassen dann alsbald wieder von uns hören.

 

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